Berlin : Immer locker aus der Schulter

Minigolf ist nicht out. Es kann ein echter Sport sein, fördert die Konzentration und baut Stress ab – strengt aber nicht an

Christian van Lessen

Minigolf – Sport oder ein Kinderspiel? Zielen, einlochen und dann ab zur nächsten Bahn? Ich stelle mich Egon Schacke, einem dreifachen deutschen Minigolf-Meister, auf der Anlage am Insulaner. Der Meister beobachtet, wie ich mit lockerem Griff den Schläger halte – bereit, auf den Ball zu dreschen. Er sagt: „Also, so geht das nicht.“ Schacke sieht zu, wie ich das ferne Ziel fixiere: einen Tunnel, der um die Ecke führt, dann ein Loch in der roten Betonbahn, sechs Meter entfernt. Der Ball muss erst durch die Röhre im Eck rollen, um dann auf freier, gerader Strecke das Ziel zu erreichen. Ginge es nach mir, wäre der Ball schon längst auf irgendeine Art unterwegs, aber der Experte ahnt nichts Gutes, spricht mahnende Worte: „Sie müssen Ruhe finden, sich konzentriert an die Bahn stellen. Es ist ein Sport, bei dem man viel Ruhe und Geduld braucht. Dafür hilft er beim Stressabbau.“ Also gut, bloß keinen Stress jetzt. Aber habe ich nicht als Kind und Jugendlicher wie ein Wilder Minigolf gespielt? Im Volkspark Wilmersdorf, an der Spinnerbrücke oder an der Fischerhüttenstraße, wo es längst keine Bahnen mehr gibt? Meine kleine Schwester sah rein sportlich ziemlich alt gegen mich aus. Zuletzt spielte ich im Urlaub in einer Gartenwirtschaft am Bodensee gegen meine Frau. Ich gewann natürlich, heiter und entspannt, klar nach Punkten. Ich will hier endlich losschlagen, um es Schacke zu zeigen. Aber der lässt mich nicht, korrigiert meine krumme Haltung. Die Hände untereinander an den Griff. „Und Sie müssen die Füße parallel stellen. Die Bewegung des Körpers muss locker aus der Schulter kommen, wie ein Uhrpendel.“ Ich pendle, fixiere das Tunnelloch, und Schacke ruft: „Den Ball angucken, nur den Ball! Und nicht die Handgelenke bewegen!“ Dann noch der Rat: „Richtung und Tempo des Balls müssen in Einklang sein.“ Das hört sich knifflig an. Ich schlage los.

Der Ball rollt schief, berührt die Bande, prallt auf die Gegenseite, bleibt vor dem Tunnel liegen. Tja, sagt Schacke, der Wunsch, direkt zum Ziel zu kommen, bringt oft nichts. Dann schon eher ein klar kalkulierter Zickzackkurs. Der Profi erzählt von den Tücken unebener Bahnen, von ihren Namen: Mauseloch, Labyrinth, Pudding, KasselerV. Und davon, dass der Bahnengolfsportler mit 100 verschiedenen Ballsorten spielt.

Der Pudding ist ein Hügel. In bester Stellung schlägt der Meister hier – daneben. Die Bahn fällt leicht ab. „Eine Herausforderung“, sagt Schacke.

Ich stelle mich, noch immer viel zu schief, an die Bahn. Ein Schlag – eingelocht. Minigolf – ein Kinderspiel! „Von wegen“, sagt der Meister. „Aber eine Portion Glück gehört eben auch dazu.“

Lust, am Sonnabend, 3.Juli, Minigolf mit einem Profi zu spielen? Dann melden Sie sich schnell an! Alle Infos siehe Farbkasten unten.

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