• Immer mehr Amerikaner fliegen auf Tempelhof Neben Fred Langhammer will ein zweiter US-Investor am Airport einsteigen

Berlin : Immer mehr Amerikaner fliegen auf Tempelhof Neben Fred Langhammer will ein zweiter US-Investor am Airport einsteigen

Am Dienstag entscheiden die Richter, ob dort weiter geflogen werden darf

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Nach dem amerikanischen Milliardär Fred Langhammer, der am Flughafen Tempelhof ein Gesundheitszentrum bauen will, hat ein weiterer US-Investor Interesse an dem Airport angemeldet. Die kalifornische Gruppe Capricorn Management plant, in Tempelhof einen Geschäftsflughafen mit Schulungszentrum zu betreiben. Außerdem sollen Konferenzräume, ein Hotel, ein Kunstzentrum sowie ein Business Park entstehen. Bislang hätten die Flughafenbetreiber aber Gespräche mit Hinweis auf das offene Gerichtsverfahren abgelehnt, erklärte Jochen Kröhan, Beauftragter der Investorengesellschaft, die seinen Angaben zufolge über ein Milliardenkapital verfügt.

Schließen oder fliegen? Am Dienstag verhandelt das Oberverwaltungsgericht die Klagen von Linienfluggesellschaften und Flugunternehmen gegen die zum 31. Oktober 2007 verfügte Schließung des Flughafens. Einen ersten Versuch, den Flugbetrieb aufzugeben, hatte das Gericht im September 2004 gestoppt. Damals wollte sich die Flughafengesellschaft lediglich von der Betriebspflicht befreien lassen; der Flughafen sollte erst später aufgegeben werden. Dies lasse das Luftverkehrsgesetz nicht zu, hatte das Gericht seinen Beschluss begründet.

Daraufhin beantragte die Flughafengesellschaft, Tempelhof Ende März 2007 zu schließen. Die Luftfahrtbehörde verfügte die Schließung dann zum 31. Oktober 2007. Die Flughafengesellschaft will sich von Tempelhof trennen, weil der Flugbetrieb und die Bewirtschaftung des Gebäudes zu jährlichen Verlusten um die zehn Millionen Euro führe. Dieses Geld fehle dann für die Finanzierung des Ausbaus in Schönefeld zum BBI-Flughafen.

Vor Gericht geht es jetzt darum, ob die Flughafengesellschaft nachweisen kann, dass die Unternehmen, die jetzt von und nach Tempelhof fliegen, in Tegel oder Schönefeld untergebracht werden können, ohne dass sie benachteiligt werden.

Der Verkehr der sechs Linienfluggesellschaften soll nach Tegel verlagert werden, wo es dann erheblich mehr Verkehr geben wird. Bereits ohne die Tempelhofer nimmt der Betrieb in Tegel weiter zu. Die Flughafengesellschaft lässt dort derzeit ein weiteres Abfertigungsgebäude (Terminal Ost) für 2,5 Millionen Passagiere bauen; die Baukosten sind mit zwölf Millionen Euro veranschlagt. Klagen von Anwohnern gegen den Bau sind noch nicht entschieden. Obwohl der Flugbetrieb in Tegel spätestens Mitte 2012 aufgegeben werden soll, lohne sich die Investition, sagt Flughafensprecher Ralf Kunkel.

Von Tempelhof nach Schönefeld ziehen sollen die Geschäftsflieger. In Tegel gibt es für sie keinen Platz. Da die Lufthansa weiter mit kleinen Maschinen für Privatkunden von Tegel fliegen dürfe, gefährde ein Zwangsumzug nach Schönefeld die Existenz des Privatcharterunternehmens Windrose, sagt deren Sprecherin Ursula Hannan. Die Privatkunden würden den Weg nach Schönefeld scheuen, wenn sie auch von Tegel fliegen könnten. Zudem habe die Flughafengesellschaft in Schönefeld zu wenig Platz angeboten. Windrose will im nächsten Jahr seine Flotte erweitern und hat Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt.

Die Flughafengesellschaft musste der Luftfahrtbehörde nachweisen, dass für alle Tempelhofer Unternehmen ausreichend Ersatzraum vorhanden ist. Dies sei auch gelungen, sagt Flughafensprecher Kunkel. Die Tempelhof-Befürworter, die ein Volksbegehren gestartet haben, halten dagegen, für die vorhergesagte Zunahme des Flugbetriebs sei Tempelhof unverzichtbar.

Sollte das Gericht den Schließungsbeschluss 31. Oktober 2007 aufheben, würde die Flughafengesellschaft die Schließung spätestens zur Inbetriebnahme von BBI in Schönefeld erneut beantragen. Strittig ist, ob die Ausbaugenehmigung untrennbar mit der Schließung Tempelhofs – und von Tegel – verbunden ist. So sei es wohl, heißt es beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, während der TU-Luftrechtsexperte Elmar Giemulla meint, ein eingeschränkter Flugbetrieb sei in Tempelhof auf Dauer möglich.

Abwärts geht es mit Tempelhof schon jetzt. Die Zahl der Passagiere ist im November um 42,2 Prozent zurückgegangen, weil Air Berlin die früheren dba-Flüge nach Köln jetzt von Tegel aus starten lässt. Dort gab es einen Zuwachs bei den Passagierzahlen um sechs Prozent, in Schönefeld lag er sogar bei 14,5 Prozent.

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