Berlin : Immer mehr Homosexuelle werden Opfer von Hassdelikten

Die Fälle von Hasskriminalität gegen Homosexuelle nehmen zu. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Klaus Lederer (Die Linke) teilte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) mit, dass 2006 insgesamt 27 Straftaten im Themenfeld Hasskriminalität wegen der sexuellen Ausrichtung der Opfer gemeldet wurden. 2003 waren es 17. Besonders auffällig ist der Anstieg in Charlottenburg und Wilmersdorf. Im Doppelbezirk wurden neun Fälle gemeldet, 2005 waren es drei.

„Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich deutlich höher“, sagt Sascha Steuer (CDU). Erschreckend findet Thomas Birk (Grüne) den Anstieg: „Es ist ein Zeichen dafür, dass mehr Prävention nötig ist.“ Für besonders wichtig hält er das schwule Überfalltelefon „Maneo“. Es könne die Fälle zwar aufnehmen und die Opfer beraten, aber es mangele an einer Stelle für Präventionsmaßnahmen.

Für Prävention durch Aufklärung ist auch Steuer: „Man muss provozieren und das Thema in die Kieze bringen.“ So könnte die Toleranz bei Jugendlichen gefördert werden. „Wird die Vielfalt gefördert, wird auch der Zusammenhalt gestärkt“, sagt Thomas Kleineidam (SPD). Homosexualität dürfe kein Merkmal sein, um Opfer von Kriminalität zu werden.

Handlungsbedarf sieht Rainer-Michael Lehmann (FDP) auch im Bildungsbereich. „Viele Lehrer haben ein Problem damit, das Thema den Jugendlichen zu vermitteln.“ Auf Übergriffe gegen Randgruppen müsse aber hingewiesen werden. Nur so könne die Sensibilität für das Thema erhöht werden.

Bastian Finke von „Maneo“ würde sich über mehr Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen freuen. Über 350 Personen meldeten sich im vergangenen Jahr beim schwulen Überfalltelefon, darunter viele, die Opfer von Hasskriminalität wurden. „Ich bin froh, dass das Thema ein Fall für den Staatsschutz ist und nicht mehr als Bagatelle abgetan wird.“ fbo

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