Berlin : Immer mehr Lehrer auf Dauer krank Eine Arbeitsgruppe soll nach Gründen forschen

Susanne Vieth-Entus

Die Zahl der dauerkranken Lehrer in Berlin steigt weiterhin drastisch an. In den vergangenen fünf Jahren kletterte sie von 755 auf 1222 – eine Zunahme um fast 70 Prozent. Allein im Laufe des Vorjahres kamen 400 hinzu. Das erfuhr der bündnisgrüne Abgeordnete Özcan Mutlu auf eine Kleine Anfrage hin.

Die hohe Zahl der Langzeiterkrankten hatte die Öffentlichkeit bereits Anfang Oktober alarmiert. Damals waren von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) allerdings nur die Lehrer an allgemeinbildenden Schulen berücksichtigt worden. Die aktuellen Zahlen, die er jetzt Mutlu mitteilte, beziehen sich auf die Lehrer an allen öffentlichen Schulen.

Zöllner bekräftigte seine Entschlossenheit, mehr über die Gründe für die hohe Zahl von Langzeitkranken zu erfahren. Wie berichtet, hat er eine zwischenzeitlich „eingeschlafene“ Arbeitsgruppe neu belebt, die den Gründen nachgehen soll. Diese hat sich bereits konstituiert und will im 14-tägigen Rhythmus tagen. Als Themen nannte Zöllners Sprecher Kenneth Frisse „Datenanalyse, Verfahrensanalyse und Präventionsverfahren“. Das Problem werde „auch unter arbeitsmedizinischen Gesichtspunkten betrachtet“.

Im Hinblick auf die vielen Fälle ausgebrannter Lehrer ließ Zöllner Mutlu wissen, dass die vom Senat ergriffenen „Maßnahmen zur Lehrkräftegesundheit“ vor allem darauf abzielen, „die persönlichen Kompetenzen im Umgang mit schwierigen Situationen zu verbessern“. Schließlich hätten Untersuchungen zur Gesundheit der Lehrer ergeben, dass „ausgeprägte persönliche Kompetenzen, eine hohe Professionalität und eine positive Selbstwirksamkeitserfahrung“ einen Schutz gegen Burnout bedeuten könnten.

Mutlu wollte auch wissen, ob man Lehrern, die zwar nicht mehr vor einer Klasse stehen können, sonst aber noch einsetzbar sind, für andere Aufgaben einsetzen kann. Zöllner sagte dazu, „grundsätzlich“ sei es denkbar, sie zu außerunterrichtlichen Tätigkeiten heranzuziehen. Allerdings müsse man dafür zusätzliche Stellen im Landeshaushalt zur Verfügung stellen.

Die durchschnittliche Dauer der Langzeiterkrankungen beträgt bei Lehrern 43 Wochen, obwohl das Beamtenrecht vorsieht, dass eine Frühpensionierung bereits nach rund sechs Monaten erfolgen muss. Dies hat auch finanzielle Konsequenzen: Solange ein Beamter nicht pensioniert ist, muss er das volle Gehalt bekommen, während Angestellte nur sechs Wochen die volle Lohnfortzahlung haben. Dem Tagesspiegel liegen Informationen vor, wonach ein Wilmersdorfer Lehrer rund fünf Jahre als Langzeitkranker sein volles Gehalt bekam, weil dieVerwaltung den Fall übersehen hatte.

Mitunter scheitert eine frühere Pensionierung auch daran, dass die Amtsärzte keine Termine frei haben, oder daran, dass die Beamten weitere Gutachten einfordern. Der Senat hat sich deshalb vorgenommen, das Amtsarztsystem zu verbessern. Susanne Vieth-Entus

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