Berlin : „Immer mehr steigen um“

S-Bahn-Chef Tobias Heinemann über Angebote am autofreien Sonntag – und mehr Service für Radler

Morgen, am Tag der Umwelt, sollen die Berliner aufs Auto verzichten und Bahn, Bus oder Fahrrad fahren. Was kann die S-Bahn den Umsteigern bieten?

Einzelfahrscheine gelten morgen als Tageskarte. Das heißt, für 2,10 Euro können die Berliner und alle Gäste den ganzen Tag mit Bahnen und Bussen durch die Stadt fahren. Vier Euro gespart. Wer schon Stammkunde ist, wird auch belohnt. Inhaber der Umweltkarte können zwei Erwachsene und fünf Kinder kostenlos mitnehmen.

Wie viel lassen Sie sich diese Aktion kosten?

Einen fünfstelligen Betrag. Und ich denke, das ist gut angelegtes Geld. Bei der Entscheidung zwischen Auto und S-Bahn spielt die Gewohnheit eine nicht zu unterschätzende Rolle. Das morgige Sonderangebot, verbunden mit dem guten Gefühl etwas für die Umwelt zu tun, wird so manchen zum Mitmachen veranlassen. Davon bin ich überzeugt.

Glauben Sie, dass Sie die Umsteiger auf Dauer als Fahrgäste gewinnen können?

Ich bin mir sicher, dass der Trend zum Umstieg auf die S-Bahn weiter anhält. Im ersten Quartal dieses Jahres ist die Zahl der Fahrgäste im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,4 Prozent gestiegen. Bezogen auf die tatsächliche Verkehrsleistung sind es sogar 7,9 Prozent mehr.

Werden sie verstärkt mit der Umweltfreundlichkeit des Verkehrs auf der Schiene werben?

Selbstverständlich. Denn die Umweltbilanz der S-Bahn lässt sich sehen. 3000 Zugfahrten wochentags auf dem rund 330 Kilometer langen Streckennetz ersparen den Menschen in dieser Stadt über 320 000 Tonnen CO2-Ausstoß. Beeindruckend auch diese Rechnung: Würde man den Stromverbrauch der Züge auf den Energiegehalt von Diesel umrechnen, kämen wir auf einen Wert von 1,2 Liter für 100 Kilometer.

Hat der S-Bahn-Kunde auch etwas davon, dass Ihr Energieverbrauch vergleichsweise niedrig ist?

Ja. Eine einfache Beispielrechnung zeigt schon, um wie viel die Familienkasse entlastet wird. Wer als Pendler bei einem Spritpreis von 1,50 Euro und der Berücksichtigung aller Kosten jeden Tag 20 Kilometer mit seinem Mittelklassewagen fährt, spart beim Umstieg auf die S-Bahn mit der Umweltkarte im Abo jährlich 600 Euro. Wir haben auf unserer Website einen Preisrechner, mit dem jeder seine individuellen Sparmöglichkeiten ermitteln kann.

Ideal ist die Kombination Fahrrad und S-Bahn. Sollen die Räder an Bahnhöfen abgestellt werden oder können sie weiter auch uneingeschränkt in den Zügen mitgenommen werden?

Das ist ja eine unserer großen Stärken, dass unsere Kunden das Fahrrad mit in den Zug nehmen können. Und das wird auch so bleiben. Für viele ist es aber auch sehr attraktiv ihr Rad am Bahnhof abstellen zu können. 2006 konnten noch einmal 578 Stellplätze an elf Bahnhöfen geschaffen werden. Aktuell sind es fast 7000 an 65 Bahnhöfen. Viele davon sogar überdacht.

Gibt es weitere Abstellanlagen für Fahrräder an Bahnhöfen?

Ja, wir planen in diesem Jahr weitere 1500 Stellplätze zu schaffen. Unter anderem an der Schönhauser Allee und in Friedrichshagen. Hierzu stehen wir mit dem Senat, den Bezirken und Kommunen im Umland in engem Kontakt.

Wer übernimmt dafür die Kosten?

Das Land Berlin hat dies in den letzten Jahren mit öffentlichen Mitteln gefördert. Die S-Bahn Berlin trägt die laufenden Instandhaltungskosten, also für Reparaturen und Reinigung.

Eng wird es bei der Mitnahme von Rädern oft auf dem Ring, wo nur Züge mit sechs Wagen fahren? Werden Sie zumindest im Sommer hier längere Züge mit mehr Platz einsetzen?

Sechs-Wagen-Züge sind bedarfsgerecht. Dies ist auch ein Gebot der Wirtschaftlichkeit. Ich appelliere vielmehr an die gegenseitige Rücksichtnahme. Es hilft schon viel, wenn S-Bahn-Nutzer ohne Rad die Vierersitzgruppen nutzen und Fahrgäste mit Fahrrad ins Mehrzweckabteil einsteigen. Das gibt es in jedem zweiten Wagen. Hier wünsche ich mir mehr Miteinander.

Vor Jahren gab es bei der S-Bahn am Wochenende Sonderzüge für die Radmitnahme. Wird dieses Angebot erneuert?

Nicht alle Wünsche sind derzeit umsetzbar. Aber Sie können sicher sein, dass die S-Bahn Berlin auch künftig kreativ mit der Kombination Rad/ S-Bahn umgehen wird. Schließlich wollen wir nicht nur das umwelt-, sondern auch fahrradfreundlichste Verkehrsmittel in der Hauptstadt bleiben.

Das Gespräch führte Klaus Kurpjuweit

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