Berlin : Immer noch Liebeskummer im Gummiboot Gitte, Wencke und Siw sind als Trio auf Tour

Bernd Matthies

Manche Menschen kriegen das mit dem Altern einfach nicht hin. „Ich überlege immer noch, was ich werde, wenn ich mal groß bin“, sagt Wencke Myhre, und das ist ein Wort, wenn es von einer Großmutter kommt, die gerade 57 geworden ist. Doch das knallrote Gummiboot lässt sie nicht los, und insofern war es nur eine Frage der Zeit, bis sie sich mit ihren skandinavischen Kolleginnen Gitte Haenning und Siw Malmqvist zusammentun würde, um im Fundus der anderen, ebenso unsinkbaren 60er-Jahre-Hits zu kramen, „Liebeskummer lohnt sich nicht“ zu trällern oder „Ich will nen Kauhau-beu als Mann“.

Dass sich was geändert hat in der Wahrnehmung dieser Musik, sehen wir am Veranstaltungsort für diese nostalgische Perle: Das Tipi am Bundeskanzleramt steht ja eher für alternativ angehauchte Darbietungen außerhalb der Eurovisionsschiene. Ja klar, sagt Gitte, „es ist so gedacht, dass wir ein wenig kultig sind, Retrospektives liegt ja in der Zeit.“ Was das indessen genau bedeutet, darüber sind sich die drei noch nicht ganz einig. „Ich wollte es eigentlich parodistisch anlegen“, sagt Gitte, die es längst eher mit dem Jazz hat. Och nö, entgegnet Wencke, „ich meine es ernst, das sind doch so tolle Lieder.“ Siw Malmkvist hält sich bedeckt: „Ich habe noch so viele Wörter zu lernen.“ Und im Übrigen singe man ja nicht nur Schlager.

Sicherheitshalber haben sich die drei ewig jugendlichen Entertainerinnen, zusammen geballte 150 Jahre Bühnenerfahrung, deshalb in die Hände des Regisseurs Hans Marklund begeben, der ihnen zusammen mit dem Musiker Anders Eljas – Herrn Myhre – ein passendes Programm für drei Stimmen und eine siebenköpfige Band geschneidert hat. Was genau drin steckt, ist noch ein wenig geheim, die Hits, natürlich, Internationales, skandinavische Volkslieder, ein paar Überraschungen.

Für die drei ist es das erste gemeinsame Programm. Sie haben zwar mal da und dort zusammen ein Lied dargeboten, doch in dieser Art hat es noch nichts gegeben. „Warum immer nur die drei Tenöre?“, fragt Wencke Myhre, die das angepeilte Publikum „gut von 30 aufwärts“ vermutet, aber auch gut drunter, bei jenen, die die nordischen Hit-Raketen vermutlich erst noch entdecken müssen. Lampenfieber? Na ja, erläutert Wencke Myhre, sorgfältig radebrechend, „man kann nur auf ein gewisse Rückenmarkgefühl machen.“

Gitte Wencke Siw – die Show. Von 2. Juni bis 4. Juli im Tipi, Große Querallee, Tiergarten, Di-Sa 19 Uhr, So 18 Uhr. Karten-Telefon: 0180-3279358, Infos auch unter: www.tipi-das-zelt.de.

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