Berlin : Immer schön senkrecht bleiben

Vor allem die großen Projekte der neuen Mitte sind von Stimmann geprägt

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Worte wie „Traufhöhe“ oder „Blockrandschließung“ wären ohne ihn in Berlin weitgehend unbekannt geblieben. Prominente Orte wie der Potsdamer Platz, die Friedrichstraße und der Pariser Platz sähen ohne Hans Stimmann anders aus. Am Potsdamer Platz stünde vielleicht ein Wolkenkratzerwald. Der Senatsbaudirektor entschied über die städtebaulichen Aufbaukonzepte nach dem Mauerfall, verärgerte Investoren, Architekten, auch den früheren Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen.

Der Potsdamer- und der Leipziger Platz sind weitgehend ein Beleg dafür, wie sich der Senatsbaudirektor die „kritische Rekonstruktion“ der Stadt vorstellt. Hochhäuser gehören nur ausnahmsweise dazu, der rote Büroturm mit seiner steinernen Lochfassade kommt Stimmanns Vorstellungen noch am nächsten. Aber so gläsern-lichte Architektur, wie sie der gegenüberliegende Bahntower auf dem Sony-Gelände darstellt, ist Stimmanns Sache nicht.

Auch am Pariser Platz hat Stimmann seine Handschrift hinterlassen, die meisten neuen Häuser entsprechen seinen Vorstellungen: viel Stein, Lochfassaden, Höhenbegrenzung. Bei der Französischen Botschaft führte das im Sockelgeschoss zu anfangs kritisierten „Schießscharten“-Fenstern. Stimmann arbeitete an der Gestaltungssatzung für den Platz.

Die neue Friedrichstraße ist gar zu einem großen Teil Stimmanns Werk. Neue, meist steinerne Büro- und Geschäftshäuser, von stadtüblicher (Trauf-) Höhe, auf den Dächern aber oft mit zurückgesetzten „Staffelgeschossen“ versehen. Dort sind Wohnungen untergebracht. Stimmann ordnete sie an, anders wäre fast kein Bau hier genehmigt worden. Darum gab es viel Streit. Seiner Idee von der „traditionellen europäischen Stadt“ fiel das Gebäude des „Lindencorsos“ ebenso zum Opfer wie eine „unhistorische“, nach dem Krieg entstandene Grünfläche am Bahnhof Friedrichstraße. Und jüngst auch das Hotel Unter den Linden mit seinem Vorplatz. Stimmann setzte sich über Kritik aus dem Bezirk hinweg. „Blockrandschließung“ , die Erinnerung an die alte Stadt, ist ihm wichtiger. Von 1996 bis 1999 musste Stimmann sein Amt als Senatsbaudirektor vorübergehend abgeben, weil die SPD das Bauressort verlor. Barbara Jakubeit, die Nachfolgerin, genehmigte Hochhauspläne – etwa am Breitscheidplatz –, die Stimmann nie unterschrieben hätte. Gebaut wurde dort bis heute nicht.

Ab 2000 konnte Stimmann sein „Planwerk Innenstadt“ langsam reifen sehen. Die Verdichtung der Innenstadt, das Bauen auf früheren Verkehrsflächen. Etwa an der Friedrichwerderschen Kirche in Mitte. Dass die Leipziger Straße schmaler wurde, um Platz für Häuser zu schaffen, läuft nach Plan des Senatsbaudirektors. Seine Vorstellungen sind nur folgerichtig: An der TU Berlin promovierte der junge Architekt einst mit dem Thema „Verkehrsflächenüberbauung“.C. v. L.

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