Berlin : Immer seltener treffen Passagiere und Gepäck gemeinsam auf den Flughäfen ein

Klaus Kurpjuweit

Das gleichzeitige Ankommen von Passagieren und Gepäck auf den Berliner Flughäfen wird zunehmend zu einem Glücksfall. Die Zahl der zunächst vermißten Koffer ist nach Angaben der Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF) in diesem Jahr um 67 Prozent gestiegen. Den Ärger bekommen die Mitarbeiter auf den Berliner Anlagen ab, die Ursache liege aber meist bei anderen Flughäfen, vornehmlich an Frankfurt (Main), sagt BBF-Sprecherin Rosemarie Meichsner.

Auf den großen Umsteigeflughäfen wie Frankfurt (Main) oder auch Amsterdam gebe es erhebliche Probleme bei den Anschlussflügen mit kleineren Maschinen. Wenn Passagiere mit viel Gepäck unterwegs sind, reiche häufig der Laderaum nicht aus, um alle Taschen, Koffer und sonstigen sperrigen Gegenstände aufnehmen zu können. Dann hilft auch eine ausreichende Umsteigezeit nicht weiter, selbst wenn das Flugzeug pünktlich ist. Das Gepäck folgt erst mit der nächsten Maschine - wenn es dort Platz gibt.

Schnell nach Hause geliefert werde es, wenn Anschriftszettel vorhanden sind, sagte Meichsner weiter. Sie rät allen Passagieren, solche Informationen anzubringen. Um Dieben keine Hinweise zu geben, könnte die Anschrift verdeckt angebracht werden. Das Gepäck ohne Anschrift muss erst mühsam nach den Beschreibungen der Besitzer sortiert werden. Dafür seien oft mehrere Tage erforderlich. Vor kurzem habe man in Tegel sogar zusätzliche Werkstatträume in Beschlag nehmen müssen, weil sich so viel verspätetes Gepäck angesammelt hatte.

Die BBF hatte jetzt die Klagen und auch die schlechten Werte satt, die der Flughafen Tegel in einem ADAC-Vergleichstest erhalten hatte und wollte selbst testen, wie schnell Fluggäste auf verschiedenen Airports zu ihrem Gepäck kommen. Der Versuch am Montag ging jedoch schief, denn die ausgesuchten Maschinen hatten so viel Verspätung, dass der Test abgebrochen werden mußte.

Dabei hatte Tegel am besten abgeschnitten. Nur fünf Minuten vergingen vom Aussteigen, bis die aufgegebenen Koffer auf dem Ausgabeband lagen. In München mussten die Tester erst trappauf, treppab laufen und dann immerhin knapp zehn Minuten aufs Gepäck warten. In Frankfurt (Main) lief das Band dagegen schon, als die Passagiere dort ankamen. Dies war auch kein Kunststück, denn zuvor mussten die Fluggäste 20 Minuten an der Andockstation in der Maschine ausharren, weil die Brückenanlage zum Aussteigen nicht funktionierte. Probleme gibt es aber auch in Tegel, wenn große Maschinen mit vielen Passagieren - und viel Gepäck - landen, räumte Meichsner ein. Die Ausgabebänder in Tegel sind verhältnismäßig kurz. Wenn die Taschen und Koffer zudem nicht schnell abgenommen werden, stoppt das Band, wenn das zulässige Gewicht überschritten wird. Ein Umbau ist bautechnisch nicht möglich.

Und noch ein "Problem" gebe es. Der Weg vom Flugzeug zum Gepäckband sei in Tegel so kurz, dass man die Wartezeit als besonders lang empfinde, sagte die Flughafensprecherin. Amerikanische Flughäfen haben hier eine besondere Lösung gefunden. Sie machen den Weg extra lang und locken unterwegs mit Abwechslungen wie Läden oder Spielautomaten. Erreicht man dann die Gepäckausgabe, lässt auch der Koffer nicht mehr lange auf sich warten.Haben Sie auch schon Gepäck am Flughafen Tegel vermisst? Diskutieren Sie mit im Internet unter www.meinberlin.de/forum

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