Berlin : Immer weiter aufwärts

Auch in Berlin ist der Aufschwung spürbar: Viele Unternehmen suchen jetzt Mitarbeiter

Lisa Garn

Dass Berlin sexy ist, hat sich längst bis in den letzten Winkel der Republik herumgesprochen. Jetzt kommt die Hauptstadt auch als Wirtschaftsstandort in Schwung. „Wir gehen davon aus, dass wir das Konjunkturtal verlassen und es jetzt langsam aufwärts geht“, sagt Sprecher Raimund Ruegenberg von der Arbeitsagentur Regionaldirektion Berlin-Brandenburg. So waren im November rund 41 000 weniger Arbeitslose gemeldet als im Jahr zuvor. Gleichzeitig gab es knapp 12 500 Stellenangebote mehr als vor einem Jahr. Diesen positiven Trend bestätigt auch der jüngste Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin: Rund ein Drittel der befragten Unternehmen wollen in nächster Zeit mehr Leute einstellen. In welchen Betrieben der Jobmotor angesprungen ist, zeigt ein Streifzug durch die Personalabteilungen.

DIENSTLEISTER

Der Dienstleistungsbereich gehört zu den am stärksten wachsenden Branchen. „Viele Firmen siedeln sich in Berlin an und vor allem in Call-Centern entstehen neue Stellen“, sagt Christoph Lang von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlin Partner GmbH. Der Vorteil: Auch Quereinsteiger ohne klassische Ausbildung haben gute Chancen. „Die Leute sollen zeigen, dass sie sich für die Kunden interessieren“, sagt Pressesprecher Manfred Gawlas von der Quelle AG. Der Versandhandelskonzern richtet im nächsten Jahr in Kreuzberg ein Call-Center ein und will 600 neue Leute einstellen. Drei Bereiche stehen künftigen Mitarbeitern zur Auswahl: Im Kundendienst nehmen sie die Aufträge an oder kümmern sich um Beschwerden. Fragen zu Ratenzahlungen und zur Qualität von Geräten werden im Finanz- und Produktservice beantwortet. Bei technischen Problemen mit dem Computer oder der Waschmaschine helfen Spezialisten vom Technik-Service.

Wer sein Geld bei großen Events verdienen will, kann in der Veranstaltungsbranche unterkommen. Für die „O2-World“ genannte Multifunktionshalle, die ab 2008 am Ostbahnhof eröffnen soll, sind in den nächsten Monaten 1 400 Stellen geplant. Die Aufgabenpalette reicht vom Kartenverkäufer bis zum Verkaufsmanager oder Chefingenieur. „Wir legen großen Wert auf Freundlichkeit, deshalb werden alle Mitarbeiter in einem Lächelkurs geschult“, sagt Moritz Hillebrand, Sprecher des Investors Anschutz Entertainment Group.

INDUSTRIE

Auch einige Konzerne suchen noch neue Mitarbeiter – die besten Chancen haben hier hochqualifizierte Spezialisten. Siemens etwa, Berlins größter Industrie-Arbeitgeber, hat in Berlin derzeit noch 75 offene Stellen. Jobs gibt es für Systeminformatiker, Elektroniker und Ingenieure, aber ebenso in den Bereichen Marketing und Projektmanagement. Bewerber können ihre Unterlagen allerdings ausschließlich online schicken.

Das Pharmaunternehmen Berlin Chemie hat 22 Arbeitsplätze ausgeschrieben: Gefragt sind Mitarbeiter in den Abteilungen Marketing, Qualitätssicherung und Marktforschung, aber auch Pharmareferenten. Die besuchen dann beispielsweise Ärzte oder Apotheker und informieren über neue Arzneimittel. Eine medizinnahe oder naturwissenschaftliche Ausbildung ist für die Jobs ebenso von Vorteil wie gutes Englisch. Bewerbungen akzeptiert das Unternehmen per Post, aber auch Online-Unterlagen sind gern gesehen.

Gut ausgebildete Experten sind ebenfalls in der Verkehrswirtschaft begehrt, auch eine der wachsenden Branchen in der Stadt. Der Schienenfahrzeug-Hersteller Stadler Rail will bis 2008 für einen Privatbahn-Betreiber 25 Regionalzüge des Typs „Flirt“ bauen und erweitert seinen Standort in Pankow. „Wir suchen händeringend Ingenieure“, sagt Personalleiterin Beate Müller. Beste Chancen haben Bewerber, die Elektrotechnik studiert und Berufserfahrung haben. Diese werden dann unter anderem die Zugsteuerung programmieren. Interessenten können sich das ganze Jahr über bewerben.

HANDEL

Im Handel plant laut IHK rund ein Viertel der befragten Unternehmen, mehr Leute einzustellen. Dazu gehört auch Möbel Höffner. Für die neue Filiale in Tempelhof, die derzeit gebaut wird und im Sommer nächsten Jahres eröffnen soll, sind 500 Stellen zu besetzen. Gesucht werden Möbelpacker und Verkäufer, Finanzexperten im Rechnungswesen und kreative Leute in der Werbeabteilung. Vor allem im Bereich Elektrogeräte stellt das Unternehmen neue Leute ein. Bewerbungen nimmt das Unternehmen ausschließlich in klassischer Papierform an.

Für Europas größtes Toyota-Autohaus in Charlottenburg will die Automobilhandelsgruppe Weller in den nächsten Monaten 100 neue Leute einstellen. „Wir suchen in jedem Bereich engagierte Mitarbeiter: vom Autoverkäufer bis hin zu KFZ-Mechatronikern und Kundendienstberatern“, sagt Sprecher Jens Sickendieck. Beste Voraussetzungen haben kommunikative Bewerber mit einer „großen Liebe zum Auto“. Sollte es nicht beim ersten Mal klappen, müssen Bewerber nicht aufgeben: Geeignete Bewerbungen werden in einem Pool gesammelt.

TOURISMUS

Der Tourismus gehört noch immer zu den Boombranchen der Stadt. Auch die Fluggesellschaften expandieren. Air Berlin beispielsweise sucht derzeit 132 Mitarbeiter. „Wir haben in den letzten Jahren immer wieder Leute eingestellt und können dabei auf gute Fachkräfte in Berlin zurückgreifen“, sagt Sprecherin Angelika Schwaff. Vor allem Flugbegleiter und Kundenbetreuer im Service-Center werden gesucht. Es gibt aber ebenso Jobs für Co-Piloten, Techniker oder Mitarbeiter in der Verkehrszentrale. Auf einige Stellen kann man sich nur online bewerben. Dem klassischen Post-Weg ist man bei Air Berlin aber auch nicht abgeneigt.

Auch große Hotelgruppen entdecken Berlin als Standort. Das neue Luxushotel „Hotel de Rome“ in Mitte hat in den vergangenen Wochen 140 Mitarbeiter eingestellt, vom Concierge bis zum Oberkellner, vom Barchef bis zum Zimmermädchen. Jetzt sind noch 16 Plätze frei – vor allem im Restaurant und der Hotelküche. Vor den fünf Sternen muss sich keiner scheuen: „Wir wünschen uns zwar erfahrene Leute, aber sie sollen vor allem im Team arbeiten können“, sagt Hotelsprecher Kai Simon. Neben guten Englischkenntnissen sei der Spaß im Umgang mit Menschen wichtig. Der frisch eingestellte Doorman Uwe Grünes jedenfalls fühlt sich schon jetzt wie in einer großen Familie – „weil ich von Anfang an dabei bin“. Seit Anfang Oktober empfängt er die Gäste auf dem roten Teppich in Berlin und gibt immer gern Auskunft, wo in der Stadt was los ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben