Berlin : Immer wieder Mahmoud

Berlins bekanntester Serientäter steht erneut vor Gericht. Weil er sich mit einem Türsteher anlegte

Jörn Hasselmann

Mit „Mahmoud“ fing alles an. Diesem Jungen, der schon als Kind und später als Jugendlicher immer wieder der Polizei auffiel und der sich durch keine Sanktion stoppen ließ. Als klar wurde, dass es sich bei Mahmoud um keinen Einzelfall handelt, wurde 2003 bei der Berliner Staatsanwaltschaft die sogenannte Intensivtäter-Abteilung gegründet. Seitdem kümmern sich immer dieselben Polizisten und Staatsanwälte um „ihre“ jungen Vielfachtäter – und behalten deren kriminelle Karrieren im Auge. Am morgigen Dienstag steht „Mahmoud“, alias Nidal R., wieder vor Gericht.

Es geht um einen Vorfall, der sich vor über zwei Jahren zugetragen hat. Am 18. September 2004 soll Mahmoud den Türsteher der Diskothek Safe-T-Club in Mitte massiv bedroht haben, weil er ihn nicht hereinlassen wollte. Nidals Kumpel Ibrahim E.-M. soll den Wachmann mit einem Messer und den Worten „Ich stech dich ab“ drangsaliert haben. Der Libanese war damals genau einen Tag auf freiem Fuß gewesen; zuvor hatte er vier Jahre in Haft und dann acht Monate im Abschiebegewahrsam gesessen. Doch die Abschiebung scheiterte, weil der Libanon keine Papiere ausstellte.

Der heute 24-Jährige zählt im Moabiter Kriminalgericht gewissermaßen zu den Stammgästen. Zuletzt war er 2005 zu 26 neuen Monaten Haft verurteilt worden. Auch damals hatte sich Mahmoud vor einer Diskothek mit einem Türsteher angelegt. Weil er einen Großteil der Strafe in U- und Abschiebehaft bereits abgesessen hatte, hob ein Richter im vergangenen Mai den Haftbefehl auf – und verursachte damit einen Sturm der Entrüstung. Als eine Woche später ein anderer Richter einen neuen Haftbefehl ausstellte, ließ sich ein Justizsprecher mit dem Satz zitieren: „Das ist alles etwas unübersichtlich.“ Nur noch Juristen überblicken die Urteile, Strafen und Haftbefehle gegen den jungen Mann, der mit zehn Jahren erstmals der Polizei aufgefallen war. Deutliche Worte hatte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer zu der bereits abgeurteilten Disko-Attacke gefunden: „Er ist ein absolut gewaltbereiter, hochaggressiver Mensch. Es scheint mir unmöglich, ihn in die Gesellschaft zu integrieren.“

Mahmoud gilt noch immer als Berlins bekanntester Serientäter. Nicht nur Richter und Ermittler haben sich mit seiner Karriere beschäftigt, sondern auch die Justizsenatorin, der Innensenator und der Polizeipräsident. Der damalige Generalstaatsanwalt Dieter Neumann hatte vor der Gründung der Serientäter-Abteilung prophezeit: „Es gibt hunderte Mahmouds.“ Er behielt recht: Derzeit stehen 449 Namen auf der Liste.

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