Immobilien : Berlin ist Lieblingsstadt der Investoren

18.01.2011 20:52 Uhrvon
573 Millionen Euro brachte allein der Verkauf des Sony-Centers ein. Foto: Thilo Rückeis
573 Millionen Euro brachte allein der Verkauf des Sony-Centers ein. - Foto: Thilo Rückeis

Der Aufschwung hat im Jahr 2010 Berlin erreicht – und die Stadt entwickelt sich zum Liebling der Investoren. Experten erwarten auch 2011 ein stabiles Wachstum.

Der Aufschwung hat 2010 Berlin erreicht – und die Stadt entwickelt sich zum Liebling der Investoren. Marktexperten berichten von überraschend stark zulegender Nachfrage bei der Vermietung von Büroflächen. Deren Zahl stieg um ein Viertel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Außerdem wurde in keiner anderen deutschen Stadt mehr Geld umgesetzt als in Berlin beim Verkauf von gewerblich genutzten Immobilien. Und weil Unternehmen nur dann Büros mieten, wenn sie auch in Zukunft gute Geschäfte erwarten, versprechen die Zahlen auch 2011 ein stabiles Wachstum der Berliner Wirtschaft.

Von einer „sehr guten Stimmung und einer stabilen Nachfrage“ spricht beispielsweise Philipe Fischer, Chefverkäufer des internationalen Maklerhauses Jones Lang Lasalle.

Getragen von großen Deals wie dem Verkauf des Sony-Centers, des Kaufhauses Alexa, des Shoppingcenters am erneuerten Tempelhofer Hafen sowie des Nordbahnhof-Carrees sei in Berlin fast doppelt so viel Geld umgesetzt worden wie im Vorjahr: knapp 2,3 Milliarden Euro. Ein Gewinn auch für Landeskasse, der 103,5 Millionen Euro Grunderwerbssteuer aus diesen Geschäften zuflossen. In der Gunst der Investoren lag die Hauptstadt damit ganz vorne. Dabei sind München, Frankfurt und Hamburg aufgrund ihrer größeren Wirtschaftskraft gewöhnlich die stärkeren Handelsplätze für Immobilien. Auch in diesem Jahr erwartet Fischer gute Umsätze, wenn auch nicht ganz auf dem hohen Niveau von 2010.

Auch der Chef des landeseigenen Liegenschaftsfonds Holger Lippmann meldet deutlich wachsende Umsätze im vergangenen Jahr: Ein Plus von einem Viertel gegenüber dem Vorjahr sei „getragen durch die Nachfrage nach Grundstücken für den Wohnungsbau“. Der Liegenschaftsfonds entwickelt und verkauft öffentliche Grundstücke, die vom Land und von den Bezirken nicht mehr genutzt werden. Während Bauland für Wohnhäuser „im ganzen Stadtgebiet“ gut verkäuflich seien, bleibe die Nachfrage nach gewerblich nutzbaren Flächen noch verhalten. „So weit ist die Nachfrage noch nicht durchgeschlagen“, sagt Lippmann.

Doch das könnte sich bald ändern. Die Makler von Jones Lang Lasalle berichten, dass fast jeder zweite gewerbliche Neubau in der Stadt „spekulativ“ errichtet wird, also der Mieter vor Baubeginn noch nicht feststeht. Solche Risiken gehen Entwickler nur ein, wenn sie mit anziehender Nachfrage rechnen. „Seit dem Frühjahr 2010 hat die Nachfrage nach Immobilien stark zugenommen“, sagt Hans Peter Plettner von den Deutschen Grundstücksauktionen. Viermal im Jahr versteigert die Firma auf dreitägigen Veranstaltungen Berliner Immobilien. Die Preise für Miethäuser seien im Vergleich zum Krisenjahr 2009 um fünfzig Prozent gestiegen. Von einer „Flucht in Sachwerte“ aufgrund der Sorge über den Euro und die europäische Währungsunion spricht Plettner. Und weil die Zinsen so niedrig sind wie nie, besinne sich so mancher auf das „Betongold“.

Von „Dynamik auf dem Immobilienmarkt“ spricht auch der Niederlassungsleiter des Forschungsinstituts BulwienGesa, Sven Carstensen. So seien 100 000 Quadratmeter mehr Bürofläche im vergangenen Jahr vermietet worden als ein Jahr zuvor. Von allen Großstädten Deutschlands stünden in Berlin am wenigsten Bürohäuser leer, gemessen am Gesamtbestand. Wegen der regen Nachfrage steigen die Mieten für gewerbliche Objekte leicht: 20,50 Euro je Quadratmeter und Monat gilt als Spitzenwert.

Und was sind die wichtigsten Projekte dieses Jahres? Im Westen ist es das Zoo-Fenster, wo das Hotel Waldorf Astoria einzieht. Davon versprechen sich die Experten eine Belebung des ganzen Quartiers rund um Kurfürstendamm und Breitscheidplatz. Entwickelt werde das Haus Cumberland. Und einen wichtigen Impuls wird vom Umbau des Ku’damm-Karrees erwartet. Eine gewisse Rolle könnte dabei ein anderes Geschäft von Investor Ballymore spielen: Die Iren wollen in Bratislava ein Objekt für einen dreistelligen Millionenbetrag verkaufen, um den Berliner Umbau stemmen zu können.

Und im östlichen Zentrum? Die wichtigen Projekte dort sind das Neue Hackesche Quartier, die Friedrichstraße 100, die Karl-Liebknecht-Straße 31 und das Königsstadt Carrée an der Mollstraße, wo die Mercedes-Benz-Bank einzieht.

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