Immobilien : Cocktails im alten Kontrollturm

Vor einem Jahr kaufte ein Investor das alte Umspannwerk im Gleimviertel. Jetzt soll neues Leben einziehen.

Werner Kurzlechner
Tippin
Immobilien-Sammler. Michael Tippin will das ehemalige Umspannwerk im Gleimviertel kreativ nutzen. -Foto: Heerde

Als nächstes will er also Tempelhof kaufen. Michael Tippin aus Toronto ist ein Typ, dem man es zutraut. Der 40-Jährige trägt Surfermähne, edlen Zwirn und seinen Hemdkragen offen. Er hat jede Menge Geld, Visionen und eine Zuversicht, die unverwüstlich scheint. Ihm gefalle das Flughafengelände, im März habe er schon Gespräche mit dem Senat geführt, sagt Tippin. Warum also sollte er die Damen und Herren im Roten Rathaus nicht davon überzeugen, auch in Tempelhof etwas mit „creative arts“ zu machen?

In Berlin eingestiegen ist der ehemalige Investment-Banker, der seit 1996 mit Immobilien ein Vermögen gemacht hat, schon im April vergangenen Jahres. Wenngleich einige Nummern kleiner: Damals kaufte er Vattenfall für nach eigener Aussage 5,5 Millionen Euro das ehemalige Umspannwerk Humboldt in Prenzlauer Berg ab. 1993 hatte die Bewag den Betrieb eingestellt, von 2000 bis 2005 nutzte das Vitra Design Museum das Gebäude als Berliner Filiale.

Dieses Wochenende können sich Gäste der Fashion Week ansehen, wie Tippin sich neues Leben in alten Gemäuern vorstellt. In den Katakomben des Industriedenkmals präsentierten Models gestern junge Mode aus Italien. Die labyrinthischen Gänge der Werkhalle sind derzeit zugestellt und zugehängt mit Designerstücken, Klamotten und Fotokunst. Im Keller des runden Kontrollturms schlürften die Partygäste Cocktails. Im Hof parkte eine Stretchlimousine mit der Aufschrift „Stark“ – und das an der Kopenhagener Straße im alternativen Gleimviertel.

Die Agentur Stark betreut verschiedene Labels, veranstaltet das derzeitge Mode-Event und ist bislang der einzige feste Mieter in Tippins Berliner Schmuckstück. Eine Handvoll Galerien oder Agenturen junger Kreativer sollen hier noch fest einziehen. „Mehr auf keinen Fall“, sagt Tippin. Der Rest des Geländes soll für kreative Einzelveranstaltungen frei bleiben. „Ich will hier ständig Events haben“, sagt der Investor aus Kanada. „Creative Arts, also Mode, Film, Design.“ Den an das Backsteinensemble aus dem Jahr 1926 angrenzenden Plattenbau wolle er keinesfalls abreißen. „Eine Kunsthochschule würde da gut reinpassen.“

Tippin berauscht sich offensichtlich an solchen Visionen, geht sein erstes Projekt in Deutschland aber bislang ruhig an. Während der Fußballeuropameisterschaft schauten Fans hier in der „Torfabrik“ die Spiele. Außerdem dienten die Klinkerbauten als Filmkulisse, es gab Theateraufführungen und Ausstellungen. Ansonsten hat Tippin seine Architekten gewechselt und seine Idee begraben, auf dem Gelände Glastürme mit Luxusappartements zu errichten. „Das hätte nicht zum besonderen Flair hier gepasst.“

Dass dort bislang eher wenig geschehen sei, verkauft Tippin charmant als Konzept seiner Immobiliengruppe. „Wir lieben und sammeln alte Gebäude, und studieren erst einmal ihren Charakter.“ Von Frühjahr 2009 an wolle er 20 Millionen Euro in die Sanierung des Komplexes stecken. Alles solle bis 2010 so rekonstruiert werden, wie es einmal war. Er liebt alte Gebäude – besonders, wenn sie Geld abwerfen. „Meine 16 Immobilien in Nordamerika und Budapest sind alle profitabel“, betont er. Und lässt keinen Zweifel, dass das in Berlin auch der Fall sein soll.

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