Immobilien : Geschäft mit Berliner Wohnungen zieht an

Investoren lieben Berlin, weil die Mieten steigen: In keiner Stadt Europas – London ausgenommen – wechselten in den ersten neun Monaten des Jahres so viele Wohnimmobilien den Besitzer wie in Berlin.

Ralf Schönball

Dies melden die Marktexperten von Feri in ihrem „EuroRating“. Von einer „Renaissance der Zinshäuser als Kapitalanlage“ spricht sogar der Geschäftsführende Direktor von Conwert Jürgen Kelber. Die Immobilien-Gruppe ist im Auftrag der Deutschen-Bank-Tochter DWS in Berlin unterwegs. Die DWS legt Fonds auf und braucht Männer wie Kelber. Denn seit Beginn der Finanzkrise dürstet Anlegern nach konservativen Produkten: gut vermietete Immobilien zum Beispiel.

Wer schön wohnen möchte und für eine sanierte Immobilie eine stramme Miete bezahlen kann, darf sich freuen. Denn die Strategie von Conwert besteht darin, Häuser zu kaufen und zu „bearbeiten“, wie Kelber sagt. Beliebt sind deshalb hübsche Altbauten in guten Charlottenburger Lagen mit unterdurchschnittlichen Mieten. Zieht ein Mieter aus, dann wird das Objekt aufgehübscht und „zu Marktpreisen“ neu vermietet. Ein Plus von fünf Prozent ist jährlich drin – doppelt so viel wie der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) vor wenigen Tagen stadtweit meldete.

Die BBU-Zahlen sind ohnehin umstritten: Viele Verbandsmitglieder sind Genossenschaften oder frühere gemeinnützige Wohnungsgesellschaften, die traditionell moderate Mieten verlangen. „Die Zahlen des BBUs sind auf keinen Fall repräsentativ“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Immobilienverbandes Berlin-Brandenburg, Andreas Habath. In den Berliner Standardwohnlagen betrage die Durchschnittsmiete 5,80 Euro pro Quadratmeter. Das ist ein Euro mehr als der BBU gemeldet hatte. Prenzlauer Berg sei längst ein „gutbürgerliches Quartier“. Die Szene ziehe weiter nach Friedrichshain und Kreuzberg – nun stiegen auch dort die Preise stramm an. Nur in Randlagen, Reinickendorf oder Spandau, aber auch in Teilen von Steglitz sei der Mietendruck besonders in Häusern aus den 50er oder 60er Jahren noch moderat.

Und wie verhalten sich die Banken? DWS–Dienstleister Kelber bekam kürzlich einen Kredit für den Kauf von 1000 Wohnungen. Allerdings bezahlte er fast die Hälfe des Kaufpreises aus der eigenen Tasche. Vor der Krise war kaum eigenes Kapital nötig. Von der Normalität ist der Markt noch weit entfernt.

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