Immobilien : Metropole stückweise abzugeben

Berlin hat in fünf Jahren Immobilien für eine Milliarde Euro privatisiert. Jetzt kündigt der Liegenschaftsfonds weitere Großverkäufe an.

Lars von Törne
Spreepark Plänterwald
Ladenhüter. Das Spreepark-Gelände im Plänterwald. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Das Gelände am Humboldthafen wird wohl schon bald einen neuen Eigentümer haben, der die Fläche neben dem Hauptbahnhof zu einem neuen Stadtviertel ausbauen will. Auch mehr als 20 von der Charité nicht mehr genutzte Klinikgebäude und Grundstücke in der Stadtmitte stehen vor dem Verkauf, ebenso die Alte Münze an der Leipziger Straße und das ehemalige Bechsteinhaus am Kreuzberger Moritzplatz. Diese und andere Verkäufe kündigte der Chef des landeseigenen Liegenschaftsfonds, Holger Lippmann, am Donnerstag an.

Berlins oberster Immobilienmakler erwartet für das laufende Jahr Verkäufe von Landesimmobilien für rund 180 Millionen Euro. Rund eine Milliarde Euro hat das Land Berlin in den vergangenen fünf Jahren durch mehr als 3000 Immobilienverkäufe eingenommen, bilanzierte Lippmann anlässlich der Vorstellung des ersten Marktberichts des 2001 vom Land gegründeten Unternehmens. Der Großteil des Geldes fließt in den Landeshaushalt, die Bezirke bekommen einen kleinen Anteil. Auch wenn die gewinnbringendsten Immobilien bereits verkauft sind, erwartet der Liegenschaftsfonds für die Zukunft noch gute Geschäfte, unter anderem wegen des allgemeinen Aufschwungs. Rund 4000 Grundstücke und Gebäude aus staatlichem Besitz sind noch zu haben. Deren Wert schätzt Lippmann auf zwei Milliarden Euro.

Bei den besonders prominent gelegenen Flächen am Humboldthafen prüft der Liegenschaftsfonds derzeit die „mehr als zehn“ eingegangenen Gebote, sagt Lippmann. Das höchste stammt von einem ausländischen Bieter. „Nach der Sommerpause“ wolle man das Ergebnis dem Parlament vorstellen. Einen neuen Anlauf unternimmt der Immobilienvermarkter beim Oskar-Helene-Heim. Der Verkauf des ehemaligen Krankenhausgeländes an der Clayallee war kürzlich gescheitert. Jetzt will der Liegenschaftsfonds die Kriterien für eine künftige Nutzung lockern, um das Areal für weitere Investoren interessant zu machen.

Die größte Nachfrage gebe es nach Grundstücken, auf denen Wohnhäuser gebaut werden können, sagte Lippmann. Zwei Drittel der Verkäufe der vergangenen Jahre seien diesem Bereich zuzuordnen. Gewerbliche Immobilien machten ein Achtel der Verkäufe aus, der Rest waren Verkäufe für andere Zwecke. Ein Ende des Geschäfts mit nicht mehr benötigten Landesimmobilien ist noch nicht abzusehen. „Wir bekommen mehr Immobilien, als wir verkaufen können“, sagt Lippmann. Allerdings sei der Wert der Grundstücke und Gebäude geringer als früher. So würden zunehmend kleine Immobilien zum Verkauf angeboten.

Ein paar Ladenhüter schleppt der Liegenschaftsfonds schon lange mit sich herum. So gebe es nach wie vor keine Angebote für das Spreepark-Gelände im Plänterwald. Andererseits habe sich in der Vergangenheit manch ein Problemfall positiv entwickelt, sagt Lippmann. So habe man einige Immobilien des Krankenhauses Buch lange als teure Problemfälle gesehen. Inzwischen gebe es dort aber eine „erhebliche Nachfrage“.

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