Immobilien : U5 treibt Mieten in die Höhe

Die Grundstücke an der Linienführung der U5 gewinnen deutlich an Wert. Ein Wissenschaftler schlägt deshalb vor, die Anrainer an den Kosten zu beteiligen. Der Senat hält davon nichts.

Klaus Kurpjuweit

Von einem besseren Anschluss des Hauptbahnhofs an das Netz von U- und S-Bahn würden nicht nur Fahrgäste, sondern auch Immobilieneigentümer profitieren. Mieter dagegen müssten damit rechnen, dass sie mehr für ihre Läden oder Wohnungen zahlen müssen. Der Gesamtwert der Grundstücke im Einzugsgebiet des Hauptbahnhofs könnte sich nach einer wissenschaftlichen Untersuchung um bis zu 133 Millionen Euro erhöhen. Einzelne Grundstücke könnten maximal elf Prozent wertvoller werden. Ökonomisch sinnvoll wäre es deshalb, die Eigentümer der Grundstücke, die im Wert steigen, an den Kosten des S- und U-Bahn-Ausbaus zu beteiligen, schlägt der Volkswirt Gabriel Ahlfeldt von der Universität Hamburg vor. Die Stadtentwicklungsverwaltung lehnt dies ab. Nach Ahlfeldts Berechnungen würde allein der Bau der U 5 vom Brandenburger Tor bis zum Alexanderplatz den Wert der Grundstücke um bis zu 93 Millionen Euro steigen lassen. Die Effekte seien hier besonders stark, weil wegen der hohen Immobilienpreise im Bereich Unter den Linden selbst relativ kleine prozentuale Veränderungen zu hohen Summen führen, sagte Ahlfeld.

Würde die U-Bahn westlich vom Hauptbahnhof bis zum U-Bahnhof Jungfernheide verlängert, würde sich dies verhältnismäßig ähnlich stark auswirken – vor allem auf Wohngebiete in Moabit. Wohnungen würden attraktiver, weil sich die Wege zu U-Bahnhöfen verkürzten.

Selbst der Bau der S 21 vom Nordring der S-Bahn zum Hauptbahnhof könnte „spürbare Einflüsse“ auf den Wert von Immobilien haben, obwohl auf diesem Abschnitt kein neuer Bahnhof vorgesehen ist. Den geplanten Umsteigebahnhof Perleberger Straße will der Senat nicht mehr bauen lassen, um Kosten zu sparen. Positiv auswirken würden sich aber die kürzeren Fahrzeiten vom nordöstlichen S-Bahn-Ring in die Mitte der Stadt.

Grundstückseigentümer sollten sich an den Kosten beim Ausbau des Nahverkehrs beteiligen, weil sie später höhere Mieten durchsetzen oder Gewinne bei Verkäufen erzielen könnten, begründet Ahlfeldt seinen Vorstoß. Bei Eigentümern, die ihre Immobilien selbst bewohnen und das Auto bevorzugten, würden später die Erben profitieren.

Die Stadtentwicklungsverwaltung weist den Vorschlag zurück. Es gebe rechtlich keine Möglichkeit, einen solchen Zuschlag zu erheben, sagte Behördensprecherin Manuela Damianakis. Zurückhaltend sind auch die Grünen. Deren Verkehrsexpertin Claudia Hämmerling ist zwar grundsätzlich dafür, dass Anwohner einen finanziellen Beitrag leisten, wenn Grundstücke durch öffentliche Investitionen wertvoller werden, bei der U 5 sei dies aber ungerecht, weil die Betroffenen zuvor kein Mitspracherecht gehabt hätten. Klaus Kurpjuweit

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