Berlin : Immobilien-Versteigerung künftig gut geschützt

Justiz zieht Konsequenzen aus einem bewaffneten Überfall auf eine Auktion Termine gibt es künftig nur noch in zwei besonders gesicherten Gebäuden

Jörn Hasselmann

Vier Monate nach dem spektakulären Überfall auf eine Zwangsversteigerung verschärft die Berliner Justiz die Sicherheitsvorkehrungen drastisch. Nach Informationen des Tagesspiegels werden künftig Immobilien nur noch in zwei bereits besonders gesicherten Gebäuden versteigert: Im Kriminalgericht Moabit und im Kammergericht am Kleistpark. Bislang kamen Häuser und Wohnungen in zwölf Amtsgerichten unter den Hammer.

Am 1. November hatten drei bewaffnete Täter im Amtsgericht Schöneberg bei einer Zwangsversteigerung 128 000 Euro in bar und einen Scheck erbeutet – indem sie den mit etwa 50 Personen besetzten Saal betraten, sich das Geld vom Tisch des Versteigerers nahmen und wieder gingen. Da es keinerlei Kontrollen im Amtsgericht gab, konnten die dreisten Räuber das Gebäude ebenso ungehindert verlassen, wie sie es betreten hatten. Die Fahndung blieb bis heute ergebnislos.

Erst durch diesen Überfall war einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden, dass der Staat Immobilien nach einem seit Jahrzehnten unveränderten System versteigert: Jeder Bieter muss sofort nach seinem Gebot zehn Prozent der Bietsumme hinterlegen als so genannte Sicherheitsleistung. Zwar sind theoretisch auch speziell beglaubigte Schecks möglich, nach Beobachtungen eines Experten wird aber in der aller Regel Bares hinterlegt. Die Summen, die zusammenkommen, können beträchtlich sein. Ein Beispiel: Wenn es für ein Häuschen mit 500 000 Euro Verkehrswert im Saal auch nur fünf Interessenten gibt, können 250 000 Euro zusammenkommen, entsprechend mehr bei wertvolleren Objekten oder mehr Bietern.

Nach dem Überfall hatte die Polizei das Prozedere der Justiz massiv kritisiert: „Unglaublich, wie eine Behörde mit Geld umgeht", hatte Polizei-Chefermittler Manfred Schmandra gesagt. Denn das Geld habe – wie immer – offen auf dem Tisch gelegen, nicht einmal Kassetten oder Tresore waren vorhanden. Die Amtsgerichte seien ein „Selbstbedienungsladen“, so das Fazit der Ermittler.

Die Justiz hatte kurz danach ein neues Sicherheitskonzept angekündigt. So sollten Schleusen und Pförtnerlogen gebaut werden – doch offensichtlich war dies für alle zwölf Berliner Gerichte zu teuer. Schnell hatte auch die Polizei über die zusätzliche Belastung geklagt. So hatte es kurz nach dem Überfall Versteigerungen gegeben, in denen zwar keine Bieter, aber jeweils zwei Polizisten zur Abschreckung saßen. Eine Justizsprecherin wollte gestern dazu keine Stellung nehmen. Nimmt man die im Internet veröffentlichten Versteigerungstermine, werden sieben Amtsgerichte künftig im Kammergericht in der Elßholzstraße versteigern. Drei Bezirke ziehen nach Moabit ins Kriminalgericht, wo traditionell bereits das Tiergartener Amtsgericht versteigert.

Zudem hatten sich die Justizminister der Länder nach dem Überfall geeinigt, die Bargeldzahlung bei Zwangsversteigerungen abzuschaffen. Einen Termin für die Gesetzesänderung gibt es noch nicht.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben