Impfung : Schweinegrippe: Behörde lernt aus Fehlern

Der Senat will Praxen demnächst erst bekanntgeben, wenn sie über Impfstoff gegen die Schweinegrippe verfügen. Immer mehr Ärzte beteiligen sich mittlerweile an den Impfaktionen.

Christoph Stollowsky,Werner van Bebber
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Schützender Stich. Mehr als 500 Ärzte haben bereits Impfverträge mit dem Senat geschlossen. Foto: ddp/Lohnesddp

Die Anzahl der Arztpraxen, in denen man sich gegen die H1N1-Grippe impfen lassen kann, steigt weiter. Inzwischen seien 285 Praxen mit dem Impfstoff gegen die Schweinegrippe beliefert worden, sagte die Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung, Regina Kneiding, am Sonntag. Darunter waren auch Praxen, die schon zum zweiten oder dritten Mal Nachlieferungen des Impfstoffs „Pandemrix“ bekamen. Im Verlauf dieser Woche sollen nun noch mindestens 200 weitere, neu hinzugekommene Praxen die Dosen erstmals erhalten. Insgesamt beteiligen sich inzwischen etwa 500 niedergelassene Ärzte an der Impfaktion. Am Montag soll eine neue Werksauslieferung des Impfstoffs die zentrale Großapotheke erreichen, die das Schutzmittel an die Ärzte ausfährt.

Ab sofort zieht die Gesundheitsverwaltung auch Konsequenzen aus vergangenen Fehlern. So werden neu hinzukommende Arztpraxen, die gerade erst einen Impfvertrag mit der Behörde abgeschlossen haben, nicht mehr wie bisher umgehend auf die Service-Website gesetzt. Ihre Adresse soll künftig erst zwei bis drei Tage später veröffentlicht werden, damit man sie vor dem Ansturm der Interessenten erst einmal mit Impfstoff beliefern kann. Zum Start der Impfaktion hatte man vor einer Woche schon Praxen ins Netz gestellt, die zwar einen Vertrag, aber noch kein Serum besaßen. In der Folge mussten sie Patienten abweisen, diese beschwerten sich über die „schlechte Organisation“, es gab eine Menge Ärger.

Ein Problem für viele Praxen ist allerdings weiterhin die enorme Mehrbelastung durch die Impfkampagne. Häufig müssen Hunderte zusätzlicher Anrufe täglich bewältigt werden, was mit dem vorhandenen Personal kaum zu leisten ist. Hinzu komme der „bürokratische Aufwand“, klagen Ärzte. Jede Impfung muss ausführlich dokumentiert und den Gesundheitsbehörden mitgeteilt werden.

Die Situation an einigen Grundschulen, die verstärkt von Infektionserkrankungen betroffen waren, normalisiert sich zu Beginn der Woche. Die Grundschule am Wilhelmsberg, die einige Tage lang geschlossen war, nehme an diesem Montag den Unterricht wieder auf, sagte die Lichtenberger Bildungsstadträtin Kerstin Beurich. Gleiches gelte für die Robinson-Schule, an der einige Lerngruppen wegen Krankheitsfällen nicht arbeiteten. Seit der vergangenen Woche bezweifeln Amtsärzte den Sinn weiterer Schulschließungen. Die Krankheit sei inzwischen derart verbreitet, dass man die Infektionskette mit einer solchen Maßnahme nicht mehr unterbrechen könne, heißt es. Wenn die Kinder statt in der Schule im Kaufhaus, in Clubs oder andernorts zusammenkämen, seien sie dem Virus ebenso ausgesetzt.

Trotz des Ansturms von Impfwilligen gibt es in der Bevölkerung und unter den Ärzten noch immer große Vorbehalte gegen die Immunisierung. Nach einer Umfrage von Infratest-Dimap hält nur jeder vierte Deutsche eine Impfung für notwendig. Es gibt auch schon erste Rückmeldungen von Berliner Arztpraxen, nach denen die Zahl der Impfnachfragen langsam abnimmt. Derweil hat die Gesundheitsverwaltung 1977 Fälle von Erkrankung an der H1N1-Grippe registriert. In Brandenburg gibt es bisher 824 Fälle. wvb./cs

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