Berlin : Improvisieren ist alles

Streetworker locken Jugendliche mit Theater von der Straße

Bianca Weber

Stöpsel steht auf der Bühne und probiert verschiedene Hemden an. Die 20-Jährige muss lachen. „Das passt alles nicht“, sagt sie und hört auf zu spielen. „Es soll doch bei der Generalprobe keine Unterbrechungen geben“, ruft ihr Regisseurin Margaretha Riefenthaler zu. Die Konzentration ihrer Darsteller ist das eine Problem. Doch die Proben in der Schöneberger Beratungsstelle für obdachlose Jugendliche werden auch durch das Kommen und Gehen der Darsteller immer wieder erschwert. „Es ist eben ständige Improvisation gefragt“, sagt Riefenthaler.

Fanta kam 1998 von Neustrelitz nach Berlin und schlief ein Jahr in Parkanlagen, in der S-Bahn oder wo immer es sich anbot. Doch diese Zeit liegt hinter ihm. Jetzt spielt Fanta eine Rolle in dem Theaterprojekt „Gibt es einen Gott?“. Gestern hatte es in der Apostel-Paulus-Kirche in Schöneberg Premiere. Das Stück wurde von der Kontakt- und Beratungsstelle (KuB) auf die Beine gestellt. „Die klassischen Jugendhilfeangebote bringen nur wenig, um die Jugendlichen von der Straße wegzubekommen“, sagt Robert Hall, Leiter der KuB. Deswegen seien die Streetworker auf die Idee gekommen, mit den Jugendlichen ein Theaterstück aufzuführen. Die Zusammenarbeit binde die Jugendlichen an die KuB, so dass die meisten anschließend Hilfe in Anspruch nehmen. Die Bestätigung auf der Bühne gebe ihnen außerdem Vertrauen fürs eigene Leben.

Riefenthaler ist begeistert von den Leistungen. „Die Jugendlichen haben Gefühle so glaubhaft dargestellt, dass ihre Hunde auf die Bühne kamen, weil sie dachten, das Herrchen sei traurig", sagt sie. Hauptdarstellerin Yessi hätte einen Tag vor der Aufführung fast aufgegeben. „Ich habe zu viel Text und großes Lampenfieber.“ Die Proben seien anstrengend gewesen. Riefenthaler habe hohe Anforderungen gestellt, die Yessi auch erfüllen wollte. Untereinander habe es aber kaum Krisen gegeben, sagt sie. Alle hätten sich gegenseitig motiviert. „Ich würde immer wieder mitmachen.“

Das Stück ist noch einmal am 13. Dezember um 20 Uhr in der Evangelischen Freikirche Friedrichshain, Matternstraße 17-18, und am 19. Dezember um 20 Uhr in der Evangelischen Freikirche Tempelhof, Tempelhofer Damm 133-137, zu sehen. Der Eintritt beträgt 7,50 Euro, ermäßigt 4 Euro.

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