Berlin : In 80 Minuten um die Welt

Sommertrubel: Zehntausende Berliner bummelten gestern zum Schauspielhaus und zum Fest der Nationen

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25 Grad Celsius im Schatten, Sonne satt – der richtige Tag für einen Zug an der jemenitischen Wasserpfeife oder aus der Bierflasche made in Israel beim Fest der Nationen am Prager Platz in Schöneberg: Tausende gönnten sich gestern solche Sommerfreuden, doch rund zehntausend Berliner strömten zugleich in Mitte ins Konzerthaus am Gendarmenmarkt, weil man dort zum Tag der offenen Tür einlud: Also raus aus der Hitze, rein in die kühlen Säle mit Orgelklängen und Blechmusik. Auch in diesem Sommer haben die bekanntermaßen unternehmungslustigen Berliner wieder viel zu tun.

Abdullah Rassam, Tourismuswerber der Vertretung Jemens in Berlin, konnte sich über mangelndes Interesse an den Wüstenstädten in seiner Heimat nicht beklagen. Prospekte auf den Knien, zogen die Besucher seines Standes am Prager Platz an der Wasserpfeife und selbst Nichtraucher waren angenehm überrascht: „Das ist so erfrischend.“ Doch selbst mit diesem netten Zug konnte Abdullah Rassam nicht „die Angst der Leute vor Arabien“ aus der Welt schaffen: „Viele trauen sich nicht, uns zu besuchen.“

Deshalb ging sein Land beim Fest der Nationen in die Offensive und stand gleich im Mittelpunkt, weil der Rummel rund um die Fontäne am Prager Platz eher ein deutsches Heimspiel als ein internationales Festival war. Die Israelis und der britischdeutsche Seniorenklub mixten noch ein bisschen Multikulti hinzu – und Brabaro Gomez als Barkeeper beim Havanna-Club.

Wer die Stufen zum Schauspielhaus hochstieg, empfand den Weg wie einen Hindernislauf: Wie auf einer Hühnerleiter saßen die Menschen, blinzelten in die Sonne – und in den Konzerthaus-Sälen dahinter sonnten sich über 10 000 in kulturellem Genuss. Erstmals hatte sich das Schauspielhaus einen Mai-Termin für den Tag der offenen Tür ausgesucht und damit einen Volltreffer gelandet, zumal der Gendarmenmarkt schon wegen der Filmkulissen von „In 80 Tagen um die Welt“ zum Anziehungspunkt geworden ist. Das Berliner Sinfonie-Orchester ließ sich bei der Probe zuhören, die Schlagzeuger des BSO luden Kinder zum Mitmachen ein. Der Clara-Schumann-Kinderchor sang im neuen Werner-Otto-Saal. Das ganze Haus war von feierlicher Fröhlichkeit, als Joachim Dalitz die Jemlichorgel im Großen Saal vorstellte und deren Klänge bis auf den Gendarmenmarkt zu hören waren. cs/C.v.L

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