Berlin : In achtzig Minuten um die Welt

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Den blinden Passagieren hat die Reise nicht gut getan. Jetzt haben die beiden dicken, fetten Kakerlaken den Transport in dem Möbelstück aus Indonesien nach Berlin überstanden - und nun werden sie von hunderten Schaulustigen mit Füßen getreten. Sie ist gut besucht wie jedes Jahr, die Ethno-Messe "Import Shop Berlin", seit gestern noch bis Sonntag zu Gast unterm Funkturm.

In achtzig Minuten um die Welt: Auf die Reise durch die Hallen mit 500 Ausstellern aus 65 Ländern und Gebieten begeben sich vor allem Frauen. Wie Renate Grollmitz aus Wannsee. Die 59-Jährige zieht eine riesige Einkaufstasche mit Rollen hinter sich her. "Ich suche immer am ersten Tag Weihnachtsgeschenke, da hat man noch die volle Auswahl." Bietet die Messe unter dem Motto "Shopping World" doch die Sonderschauen "Natural Living", "Country Style" und "Christmas Shopping". Auch Entwicklungshilfe-Gruppen stellen aus, wie Ingrid Bethkes Verein, der Frauen in Burkina Faso hilft.

Urlaubserinnerungen kommen hoch beim Schlendern an den Ständen. Hier der Duft von marokkanischer Lamm-Tarjinge in der Nase, dort jenen asiatischer Basare. Khem Khem, einer der insgesamt sechs Händler aus Afghanistan, lässt bei der Frage nach der Lage in seiner Heimat den Kopf hängen. "Das ist vorbei, für immer." Nachdenkliches am Rande des globalen Jahrmarkts.

Kathrin Seidel, 19, ist mit einem Freund unterwegs - und bleibt wie viele in Halle 12 an dem Stand mit Speiseölschwimmkerzen stehen. Speiseölschwimmkerzen? Einfach Wasser in ein Glas, einfärben, einen Zentimeter Öl aufgießen, Docht schwimmen lassen und anzünden: Fertig ist das Ökolichtlein. Ihr Kunden kommet.

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