Berlin : In aller Einsamkeit

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Drei Hütten gibt es. Sonst nichts. In der sibirischen Einsamkeit setzt der Hubschrauber das Filmteam aus, das mit acht Personen in einem Zimmer haust und sich ein Loch im Boden zum Pinkeln teilt. Zwei Tage sind es bis zum angekündigten Schneesturm, bis dahin müssen die Szenen im Kasten sein. "Manchmal habe ich gedacht, ich will hier raus", beschreibt Hauptdarsteller Bernhard Bettermann die Dreharbeiten zu "So weit die Füße tragen". Beim Drehen ist Halbzeit, erst 2001 kommt die Verflilmung von Josef Martin Bauers Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht, ins Kino - bereits gestern wurde das 15-Millionen-Mark-Projekt im Cinemaxx am Potsdamer Platz vorgestellt.

Bettermann (Theater am Neumarkt, Zürich) spielt den deutschen Soldaten Clemens Forell. Forell flieht 1949 aus einem sibirischen Kriegsgefangenenlager. Drei Jahre und 14 208 Kilometer ist er auf der Flucht. Regie bei der Cascadeur Filmproduktion führt Hardy Martins, der das Drehbuch mit Bernd Schwamm und Bastian Clevé schrieb. Produzent ist Jimmy C. Gerum.

Zielpublikum sind Zeitzeugen genauso wie Jugendliche. "Jeder kennt jemanden, der nichts erzählt hat, weil es zu bitter war. Wir zeigen, wie es war", sagt Schwamm. Interesse an dem Thema gebe es jedenfalls - rund 45 Jahre nach dem Erscheinen werde das Buch noch gut verkauft. Bettermann hofft, "die Enkel-Großvater-Diskussion neu zu beleben, die es im Schulbuch gibt, nicht aber am Küchentisch".

Star war gestern der 83-jährige Nikolai Kondraschkin. Er ist und spielt einen Schamanen und den Opa von Hauptdarstellerin Irina Pantaeva, die als Film-Irina fast Forells Herz erobert. Sie ging als 16-jähriges Eskimo-Mädchen nach Paris, wo Karl Lagerfeld sie zum Topmodel machte. Ihr Opa meisterte den Auftritt in der Glitzerwelt mit Bravour. "Ich bewundere kreative Leute, die den Mut zu so einem Projekt haben und danke dem Produzenten", sagte er wie ein Profi. Und trank genüsslich ein Bier.Die Dreharbeiten im Internet

www.swdft.de

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