Berlin : In aller Herrlichkeit

Seit 10 Jahren lädt Party-Ikone Bob Young ins GMF Zur Jubiläumsparty kommt Star-DJ Paul van Dyk

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Immer wieder sonntags ist Berlin in all seiner Herrlichkeit zu erleben – bei Berlins heißestem Tanztee. Und das seit genau zehn Jahren. So lange gibt es die GMF-Party, die einst als „Gay Tea Dance“ an den Start gegangen war. Wobei der Begriff „Tea Dance“ ein wenig in die Irre führt, denn Teatime ist erst gegen Mitternacht, statt Schlagerseligkeit herrscht Clubfieber, statt Hausmusik gibt es Housemusic. Und Mädels dürfen auch hinein.

Verantwortlich für die Konstante im sonntäglichen Nachtleben ist das Team um Party-Ikone Bob Young. Gemeinsam mit den Machern der legendären WMF-Partys hat er die Idee entwickelt, eine schwule Ausgabe, das „Gay“ MF zu veranstalten – und so fand 1996 die erste GMF-Party statt.

Bob Youngs Konzept ging auf, und überstand auch die „Roaring Nineties“, als die Clubszene wild wucherte und es immer wieder Versuche gab, andere Sonntags-Party zu etablieren. „Das Wichtigste ist die richtige Kombination“, versucht der 44-Jährige seinen Erfolg zu erklären. „Alles muss alles passen – Location, Musik, Deko und Zeitpunkt.“ Aber vor allem komme es auf den richtigen Gäste-Mix an: schrille Kreuzberger Dragqueens kommen ebenso ins GMF wie die begüterte Grunewalderin oder der Student aus Prenzlauer Berg. „Toleranz muss ein, nur so fühlen sich alle zu Hause.“

Wie die Party-Mutter WMF mäanderte auch das GMF im Lauf der Jahre durch Berlin: Aus einem inzwischen abgerissenen Gebäude in der Burgstraße am Hackeschen Markt zog es in ein leeres Gästehaus der DDR-Regierung hinterm Friedrichstadtpalast. Weiter ging’s eine Querstraße weiter, von dort ins Café Moskau an der Karl-Marx-Allee, wo die Party bis heute abgeht.

Ein Faible für ungewöhnliche Ort hatte GMF-Chef Bob Young schon Jahre vorher bewiesen: Er gehörte zu den Leuten, die kurz vor dem Mauerfall das „90 Grad“ in der Schöneberger Dennewitzstraße eröffnet hatten. Mit der heutigen Schickimicki-Disco hat er allerdings nichts mehr am Hut. „Das ist nicht mehr meine Szene“, sagt Young, der als 16-Jähriger zum ersten Mal in Berlin war. Als Austauschschüler hatte er einige Zeit bei einer Gastfamilie in Tempelhof gewohnt. Die Mauer stand da noch. „Das kam mir alles so surreal vor“, sagt der Mann aus Memphis/Tennessee. „In Berlin war alles so klein: die Straßen, die Autos – einfach alles.“

Immerhin reichte die Begeisterung für die Frontstadt, dass der Junge aus gutem Hause (die Eltern sind Pädagogen) zum Studium an der FU nach Berlin zurückkehrte. „Auch wenn es mir keiner glauben will: Ich bin Diplom-Betriebswirt“, sagt Young mit einem Grinsen. Nach zwei Jahren fuhr er nach Hause, aber nur kurz, denn da hatte er sein Herz schon in (und an) Berlin verloren. Er jobbte dann in schwulen Cafés und Kneipen, arbeitete als Barkeeper und Türsteher, machte den Buchhalter bei den US-Streitkräften – und stürzte sich ins Nachtleben. Es folgte die erste (von mittlerweile hunderten) eigenen Partys, auf einem Dampfer mit 400 Gästen an Bord auf dem Tegeler See: „Wir mussten zwischendurch anlegen und Sekt nachkaufen.“

Der wird mit Sicherheit dieses Wochenende nicht ausgehen, wenn das Zehnjährige zwei Tage lang gefeiert wird. Los geht’s heute mit der eigentlichen Geburtstagsfete im E-Werk in der Wilhelmstraße. Zu den Gratulanten gehört dort ein ganz besonderer Gast: Paul van Dyk. Der Star-Discjockey legt seit Anfang regelmäßig im GMF auf, seine Gagen von den Auftritten spendet er der Aids-Hilfe. „Es ist eine super Party“, schwärmt er, der in London, Tokio oder Sydney die Arenen füllt. Für ihn ist es selbstverständlich, auch auf einer vorwiegend schwulen Party aufzulegen: „Es geht um Respekt und Toleranz und nicht um die Frage, welche sexuellen Vorlieben jemand hat.“ Zum Jubiläum hat van Dyk zusammen mit seinen Berliner Kollegen Divinity und Super Zandy eine Doppel-CD herausgebracht – mit den besten Songs der vergangenen Jahre. Wiederhören macht Freude. ling

10 Jahre GMF: Sonnabend ab 22 Uhr mit Paul van Dyk, DJ Divinity, Super Zandy u.a. im E-Werk, Wilhelmstraße 43. 18 Euro. Sonntag ab 22 Uhr reguläre Fete im Café Moskau.

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