Berlin : In Berlin bleibt die Arbeit für Lehrer ungleich verteilt

Aber ein Verwaltungsgerichtsurteil aus Nordrhein-Westfalen setzt die Schulverwaltung jetzt politisch unter Druck

Susanne Vieth-Entus

Lehrer, die viele Arbeiten zu korrigieren haben, sollten weniger unterrichten als zum Beispiel Sportlehrer. Das hatten sich SPD und PDS in ihrer Koalitionsvereinbarung vorgenommen. Umgesetzt wurde das Vorhaben aber nicht. Jetzt hat ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster das Thema „Arbeitszeitgerechtigkeit“ wieder auf die politische Tagesordnung geholt.

Die Richter verpflichteten in ihrer am Dienstag veröffentlichten Entscheidung alle Schulen des Landes dazu, besonders belasteten Kollegen bis zu drei Unterrichtsstunden zu erlassen – auf Kosten der Lehrer mit wenig Korrekturaufgaben. In großen Kollegien könnte dies dazu führen, dass ein zusätzlicher Deutschlehrer eingestellt werden muss. Da das Ganze kostenneutral sein soll, müssten Sport-, Erdkunde- oder etwa Kunstlehrer mehr Stunden geben, so dass hier letztlich Stellen wegfallen könnten.

Das Urteil hat keine unmittelbaren Folgen für Berlin, da es in Nordrhein-Westfalen eine andere Ausgangslage gibt: Die Düsseldorfer Landesregierung hatte den Schulen 2002 empfohlen, Lehrer mit Korrekturfächern zu entlasten. Eine derartige Empfehlung gab es in Berlin nicht. Seit Jahren befassen sich aber Arbeitsgruppen in der Senatsbildungsverwaltung und den Gewerkschaften mit dem Thema. Die Forderung nach einer Entlastung der besagten Lehrer fand schließlich den Weg in die rot-rote Koalitionsvereinbarung.

Im Jahr 2003 gab es zu dem Thema sogar eine Anhörung im parlamentarischen Schulausschuss, bei dem das Hamburger Arbeitszeitmodell vorgestellt wurde: Dort bekommt jedes Fach je nach Arbeitsaufwand einen bestimmten Faktor, der darüber entscheidet, wie viele Stunden ein Lehrer unterrichten muss. Auch besondere Aufgaben wie die Betreuung eines Orchesters oder einer Sportmannschaft finden ihren Niederschlag.

Zwar sympathisierte die Interessenvertretung Berliner Schulleiter (IBS) mit diesem Modell, aber die Diskussion verlief im Sande. „Wir haben jetzt andere Probleme in der Stadt“, sagt SPD-Schulpolitikerin Felicitas Tesch. Das sieht Bildungssenator Klaus Böger (SPD) ähnlich, der alle Hände voll damit zu tun hat, das neue Schulgesetz einzuführen.

Die IBS ermutigt Böger dennoch dazu, „das heiße Eisen endlich anzupacken“, so der Vorsitzende Heinz Winkler. Das Problem müsse gelöst werden. Zurückhaltender ist da die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die verhindern will, dass die Lehrer korrekturarmer Fächer zusätzlich belastet werden. Auch die Vereinigung der Oberstudiendirektoren tritt auf die Bremse. „Es gibt Krieg in den Kollegien, wenn man es den Schulen überlässt, die Unterrichtsstunden anders zu verteilen“, befürchtet Sprecher Harald Mier. Er erwartet aber von Böger, dass er „als Dienstherr“ das Problem angeht.

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