Berlin : In Berlin boomt nur die Schwarzarbeit

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Die Schattenwirtschaft im Berliner Bausektor wächst kräftig. Nach einer gestern von der Baukammer vorgestellten Studie entsprach die 2001 von Bauarbeitern schwarz geleistete Stundenzahl dem Volumen von über 80 000 Vollzeitarbeitsplätzen oder rund zwei Dritteln der offiziellen Wertschöpfung.

„Diese Zahlen bedeuten für das Baugewerbe ein Wegbrechen des Marktes“, sagt Peter Traichel, Geschäftsführer der Baukammer. Seite 1995 seien 61 Prozent der Stellen im Baubereich weggefallen. Die Arbeitslosenquote im Berliner Bauhauptgewerbe beträgt mittlerweile über 50 Prozent, und von mehr als 45 000 Arbeitnehmern im Jahre 1995 sind heute nach Angaben der Gewerkschaft IG Bau noch etwa 14 000 übrig. „Es gibt sicherlich viele dieser Arbeitslosen, die heute einen Anreiz darin sehen, illegale Beschäftigung zu suchen“, sagt Traichel.

Nach Angaben des Landesarbeitsamtes sind Schwarzarbeiter überall in der Stadt und unabhängig von der Größe des Bauvorhabens zu finden. Gabriele Francke von der Verbraucherzentrale Berlin warnt indes Häuslebauer vor dem Risiko, das mit der Beauftragung von Schwarzarbeitern verbunden sein könne. „Was auf den ersten Blick eine Einsparung für die Haushaltskasse darstellt, kann auf den zweiten Blick eine große Belastung werden.“ Ärger könne es unter anderem wegen nicht durchzusetzender Gewährleistungsansprüche geben. „Wenn die Tapeten von der Wand fallen oder die Mauer umkippt, dann wird’s erst richtig teuer“, sagt Francke. „Und überhaupt, wer haftet, wenn Schwarzarbeiter Unfälle erleiden?“

Stefan Siebner, Pressesprecher der Berliner IHK, spricht von einer ohnehin schon dramatischen Situation im Gewerbe, die durch die Schattenwirtschaft noch verschlimmert werde. Schwarzarbeiter könnten Bauleistungen zu Preisen anbieten, mit denen kein Unternehmer konkurrieren könne. Deshalb fordert er mehr staatliche Bauinvestitionen, um gerade den kleineren Unternehmen aus der Krise zu helfen. „Wir erwarten, dass die öffentliche Hand trotz aller Sparzwänge zumindest ausreichend in die Instandhaltung der Bausubstanz von Schulen, Straßen oder Kindergärten investiert.“

Dirk Kuske von der IG Bau lobt die Anstrengungen der Arbeitsverwaltung, Schwarzarbeit durch Kontrollen einzuschränken. „Doch bei 2000 Baustellen in Berlin ist es schwierig, die alle effektiv zu kontrollieren.“ Nach der an der Universität Linz entstandenen Studie herrschen in Brandenburg vergleichbare Verhältnisse. Allerdings entpricht die Schattenwirtschaft dort nur gut einem Drittel der offiziellen Wertschöpfung im Bausektor. Für Stefan Siebner lassen diese Zahlen nur einen Schluss zu: „Die sozialistischen Feierabendbrigaden, die wir früher nur aus der DDR kannten, überziehen die Region inzwischen flächendeckend.“ Jan-Martin Wiarda

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