Berlin : In Berlin rollt die PR-Maschine für "Big Brother" an

Robert Ide

"Das K und das E laufen aus", ruft der Mann mit schwarzem Mantel und Hut in sein Handy, "wir brauchen dringend mehr Leute". Dann läuft Hans-Christian Bustorf vom "Berliner Kurier" wieder aufgeregt über den Alexanderplatz und gibt Anweisungen an die 50 versammelten Teenager. Die sollen sich in einem Quadrat aufstellen und dann die Buchstaben "Danke Zlatko" bilden. Doch die Teenies winken mit ihren selbstgemalten "Big Brother"-Plakaten und fragen Bustorf, wann es endlich die versprochenen T-Shirts gibt.

Der "Berliner Kurier" und der Radiosender "104.6" haben die Teenies am Dienstag zusammengetrommelt, um "für Zlatko zu demonstrieren". Aus einem Übertragungswagen erschallen Lieder mit der Stimme des am Sonntag aus der RTL-2-Sendung ausgeschiedenen Kultstars. "Wadde hadde Zlatko da", hallt es in Abwandlung eines Schlagers von Stefan Raab über den Platz. Mitsingen tut keiner. Unterbrochen wird der Song nur vom Megafon des Radiomoderators, über das Anweisungen für die Aufstellung ertönen. Vom Lärm angelockt, kommt ein Obdachloser mit einem umgehängten Osterhasen vom Bahnhof herüber und beginnt, auf zwei Blecheimern zu tanzen. Die Organisatoren bitten ihn, wieder wegzugehen.

"Ich bin hier, weil Zlatko mein Held ist", sagt die 15-jährige Katharina aus Friedrichshain. Sie trägt einen roten Ohrring und reckt stolz ein Plakat in die Luft. "Manu, du Schlampe", steht darauf. Manu, das ist Manuela, die vielen Zuschauer von "Big Brother" als Verräterin gilt und für das Zlatkos Ausscheiden verantwortlich gemacht wird. "Ich hasse die total", sagt Katharina, und fängt plötzlich an zu kreischen. Ihre vier Freundinnen nicken und kreischen mit.

Am Rande steht Karin Schröder, eine Frau mit Einkaufsbeutel und braunem Mantel. Die Rentnerin aus Mitte hält ein Foto von Zlatko in der Hand, für das sie sich gerade im "Kaufhof" einen Holzrahmen gekauft hat. Karin Schröder verfolgt die Sendung jeden Tag. Ihre allabendliche Beschäftigung empfindet sie als etwas Besonderes, "weil ich mich schon immer für Psychologie interessiert habe". Das Intrigenspiel der Bewohner im TV-Container habe sie von Anfang an durchschaut, versichert sie fachmännisch: "Die Sexspiele von Kerstin und Alex sind doch nur Show." Dann blickt sie auf ihr Bild herab und sagt leise: "Du bist wenigstens ehrlich, Zladdi."

Inzwischen hat sich das versammelte Publikum den Vorgaben gemäß aufgestellt. Auf Kommando winken alle in die Kameras. Als die Bilder im Kasten sind, gibt es die T-Shirts. Hunderte Hände strecken sich in Richtung Übertragungswagen und reißen sich um ein Dutzend herumfliegender Sachen. Sogar eine Polizistin versucht, eines der bedruckten Leibchen zu fangen. Eigentlich müsse sie gerade Strafzettel verteilen, gesteht die 36-Jährige, aber "das kann warten". Am Ende geht sie jedoch wie die meisten leer aus.

Nach einer halben Stunde ist der Auflauf vorbei. Der Moderator vertröstet die Anwesenden auf das nächste Mal. Die Plakate von "Berliner Kurier" und "Hundert,6" werden eingerollt. Der 18-jährige Jan Weil streift sich derweil sein neues T-Shirt über. Auf dem Weg zum Bahnhof ruft er: "Zlatko - das ist ein Mann von Ehre".

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