In Berlin wird's immer dunkler : "Bis Weihnachten reicht Ihr Sonnen-Speicher"

Durchhalten, Berlin, die dunkelste Woche steht uns bevor. Und wie übersteht man die? Fragen wir einen Mann, der sich auskennt: Rolfdieter Krause von der Charité, Experte der Lichtterapie.

Veronique Rüssau
Die Sonne, die Sonne, da ist sie ja. Leider nur kurz. Aber durchhalten: bald werden die Tage wieder länger.
Die Sonne, die Sonne, da ist sie ja. Leider nur kurz. Aber durchhalten: bald werden die Tage wieder länger.

Herr Krause, vor uns liegt die dunkelste Woche des Jahres. Warum schlägt uns das so aufs Gemüt?

Das liegt daran, dass Licht unser Wohlbefinden hebt - je heller es ist, desto wacher, wohler und wärmer fühlen wir uns. Das hat einen Grund: Unsere Augen sind Teil des Gehirns. Fällt Licht ein, verdrängt es das Schlafhormon Melatonin. Auch die hohe Depressionsneigung im Winter, kann durch ausreichend helles Licht gemindert werden.

Sie sind Internist, haben ein Buch über Lichttherapie veröffentlicht. Verraten Sie uns, wie man sich zuhause am besten selbst therapieren kann?

Es gibt in Elektrofachgeschäften spezielle Lampen, die mit 2000 bis 5000 Lux sehr hell sind. Wenn man sich zwei Mal am Tag für eine Dreiviertelstunde neben eine solche Lampe setzt, wirkt das gegen Winterdepressionen. Aber Vorsicht, man darf nicht direkt hinein gucken.

Bringt es denn auch schon etwas, wenn ich im Botanischen Garten spazieren gehe oder mich an die Spree setze?

Sich in die Sonne zu setzen hat einen positiven psychologischen Aspekt, ein Strahler bringt medizinisch gesehen aber mehr als die Sonne. Aber natürlich rennen alle Leute raus, sobald die Sonne sich zeigt - und sie fühlen sich dann besser. Und Vitamin D kann man dann auch tanken. Leider nicht. Im Winter kommt die Strahlung der Sonne nur in einem flachen Winkel bei uns an. Die UV-Strahlung wird von der Atmosphäre absorbiert und schafft es gar nicht zu uns. Das heißt leider: Ich könnte mich den ganzen Tag in den Berliner Parks sonnen und mein Körper könnte trotzdem kein Vitamin D produzieren.

Der Speicher, den man im Sommer aufgebaut hat, reicht allein nicht aus, um über den Winter zu kommen. Tabletten sind also alternativlos?

Der Speicher hält vielleicht bis Weihnachten, dann ist er leer. Ab dann sollte man Vitamin-D-Tabletten nehmen. Allein für den Knochenstoffwechsel brauchen wir etwa 800 Einheiten am Tag. Ich würde insgesamt 2000 Einheiten täglich empfehlen. Überdosieren kann man es übrigens nicht.

Wie sieht es im Solarium mit Vitamin-D-Bildung aus?

(lacht) Also, Solarium hat eher kosmetische Effekte. Die Vitamin-D-Bildung ist minimal und reicht bei Weitem nicht aus. Die UVA-Strahlung ist sehr stark und kann die Hautalterung fördern. Aber! Durch die Helligkeit und die Wärme tritt auch hier der Wohlfühleffekt ein.

Dann kann man aber auch in seinem Wohnzimmer die Heizung aufdrehen und alle Lampen anschalten.

Ja, und das ohne Hautkrebsrisiko.

Wo käme ich denn auf natürliche Weise an die nötige Sonnenstrahlung?

Man müsste ins Gebirge, wo mehr der Strahlung ankommt. Der Fernsehturm reicht leider nicht, der Kreuzberg auch nicht, es müsste dann schon die Zugspitze sein. In unseren Breitengraden kann man von der Natur leider nicht mehr erwarten. Da bleibt nur der Tipp: Ab nach Tegel und sich ein Flugticket nach Mallorca kaufen.

Dr. med. Rolfdieter Krause, 68, ist Internist und Leiter der Arbeitsgemeinschaft Medizinische Heliotherapie der Charité.

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