Berlin : In Bildung wird nicht genug investiert

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Betrifft: „Deutschkurs in der Kita“ im Tagesspiegel vom 7. Juni 2002

Ganz einfach und in jeder Hinsicht billig: Lehrerinnen sind „faule Säcke", Erzieherinnen sind „halbgebildet". Nach der lapidaren Feststellung „Die Erkenntnis, dass sich in den Vorschuleinrichtungen viel ändern muss, ist nicht neu" wird in dem Artikel der Eindruck erweckt, als läge die Ursache für die mangelnde Sprachkompetenz von Berliner Kindern allein bei den Erziehern und Erzieherinnen.

Anstatt auf „hässliche Katzen" zu achten, die angeblich „drei Jahre lang an der Wand hängen", sollten Eltern lieber den Politikern am Wahltag die rote Karte zeigen, die trotz ihrer Versprechen und trotz Pisa und trotz seit langem bekannter Missstände unsere Steuergelder nach wie vor nicht in ausreichendem Maß den Bildungseinrichtungen zugute kommen lassen – ganz davon abgesehen, dass Kitas immer noch nicht als Bildungseinrichtungen gelten. Die im Artikel erwähnten „Sprachstandsmessungen" beziehen sich bislang ausschließlich auf die Kinder – von daher entbehrt die Behauptung des Herrn Pochert, viele Erzieherinnen seien „halbgebildet" und „oftmals selbst nicht in der Lage, sich differenziert auszudrücken" jeder Grundlage.

„Die Erzieher geben sich außerordentliche Mühe, aber das reicht nicht aus", konstatiert Schulsenator Böger. Wohl wahr. Sie geben sich außerordentliche Mühe!

Sicher, die Ausbildung zu verbessern, Fortbildungen wieder kostenlos anzubieten, wäre nötig und wunderbar. Und wenn Herr Böger mit größerer Vehemenz mehr Geld für Verbesserungen in diesem Bereich aus dem Haushalt einfordern würde, anstatt, wie es gerade geschieht, in den Kitas weitere Sparmaßnahmen einzuleiten, könnte man seinen schönen Worten glauben.

Regina Karger (für das Team der Kita

der Erlösergemeinde), Berlin-Tiergarten

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