Berlin : In Bronze gegossenes Vorbild

Stefan Jacobs

Nikolai Iwanowitsch Masalow ist tot. Der wohl dramatischste Moment seines Lebens bleibt in einem Denkmal lebendig: Masalow, Feldwebel der Roten Armee, rettete am 30. April 1945 bei der Eroberung Berlins ein dreijähriges Mädchen aus dem Kugelhagel an der Potsdamer Brücke am Landwehrkanal in Tiergarten. Diese Szene lieferte das Vorbild zum sowjetischen Ehrenmal am Treptower Park. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Itar-Tass starb Masalow jetzt im Alter von 79 Jahren in seinem Heimatdorf Tjaschin in Sibirien.

Der Mausoleumshügel mit der fast 12 Meter hohen und 70 Tonnen schweren Bronzefigur des Soldaten bildet das Zentrum der größten Berliner Denkmalsanlage. In seiner linken Hand hält Masalow das Kind; mit dem Schwert in seiner rechten hat er ein Hakenkreuz zerschlagen, das zu seinen Füßen liegt. Im Park ringsum sind rund 5000 Angehörige der sowjetischen Armee beerdigt, die in Berlin umkamen.

Vermutlich haben insgesamt vier Sowjetsoldaten im Jahr 1945 Kinder in Berlin gerettet. Masalows Heldentat gilt als die einzig belegte. Erwiesenermaßen eine Erfindung war dagegen die vermeintliche Rettungsaktion eines Obersergeanten Lukjanowitsch, an die jahrzehntelang eine Gedenktafel am S-Bahnhof Treptower Park erinnern sollte. Nachdem 1999 ein Journalist den Schwindel aufgedeckt hatte, ließ das Treptower Bezirksamt die Tafel entfernen; die Tiergartener entschlossen sich, Masalow mit einer Tafel an der Potsdamer Brücke zu ehren.

Das 1949 eingeweihte Treptower Ehrenmal war zwar von 1968 bis 1974 schon einmal gründlich saniert worden, aber Wind und Wetter haben ihm seitdem weiter zugesetzt. Seit dem vergangenen Jahr wird es wieder repariert, wobei der Fortschritt der Bauarbeiten vor allem vom Geldfluss abhängt. Insgesamt dürfte die jetzige Sanierung rund zwölf Millionen Mark kosten.

Masalow wurde 1965 zum Ehrenbürger von Berlin ernannt. In Deutschland leben wollte er nie.

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