Berlin : In den Hörsaal Auf die Straße

Drei Jura-Studenten studieren weiter – in fast leeren Räumen Seit einer Woche campieren Streikende vor dem Roten Rathaus

Merlind Theile

Auf der Straße campieren wollen diese drei Jurastudenten nicht: Sebastian Zachow, Jasper Sonne und Fabian Fries möchten lieber ihre Seminare an der HU besuchen – doch ihre letzte Vorlesung wurde von streikenden Kommilitonen gesprengt. Seit eineinhalb Wochen ist der Unibetrieb auch bei den Juristen praktisch lahm gelegt. Die drei Studenten, alle im dritten Semester, finden den Streik in dieser Form nicht richtig. „Viele Studenten müssen sich auf Prüfungen vorbereiten und Scheine machen“, sagt Fabian, „wenn wir jetzt Vorlesungen bestreiken und Unigebäude blockieren, schaden wir uns doch nur selbst.“ Auch Sebastian bezweifelt die Wirksamkeit der Blockaden. „Die politischen Entscheidungsträger interessiert es doch nicht, ob hier Seminare ausfallen“, sagt er. Aktionen wie die Besetzung des Büros von Finanzminister Thilo Sarrazin am Freitagnachmittag seien schon eher öffentlichkeitswirksam. Grundsätzlich finden die drei Jurastudenten den Protest berechtigt: „Die Kürzungen der Hochschuletats wollen wir auch nicht hinnehmen“, sagt Jasper. Aber es müsse eine Form des Protests gefunden werden, bei der der Unibetrieb normal weiterlaufen kann. „Demonstrieren kann man doch auch abends und am Wochenende“, meint Sebastian. Wichtig sei, dass bald wieder Normalität an der Uni einkehre – auch für Berlins Ruf als Universitätsstadt. „Die Wirkung der Blockaden auf ausländische Studenten ist fatal“, sagt Sebastian.

Erkältet sind sie inzwischen alle. Aber aufgeben will niemand. Trotz Hustens und laufender Nasen harrt seit einer Woche eine Gruppe streikender Studenten vor dem Roten Rathaus aus. Tagsüber arbeiten sie in Streikkomitees, nachts hüllen sie sich nebeneinander auf dem Bürgersteig in ihre Schlafsäcke.

„Wir demonstrieren hier unsere Leidensfähigkeit und wollen damit zeigen, wie ernst uns der Protest ist“, sagt Katharina Paar und schneuzt in ihr Taschentuch. Die 21-jährige Sozialwissenschaftlerin hat seit Montag vergangener Woche ihre Wohnung nur betreten, um ihre vom Regen durchnässten Hosen zu wechseln. Aber Klagen will sie nicht: „Die politische Situation ist doch nur so, weil alle immer gejammert haben und niemand etwas unternommen hat. Die Blockade von Lehrveranstaltungen und die Besetzungen von Universitätsgebäuden halten die Studenten dabei für unverzichtbar. „Wenn wir den Lehrbetrieb weiter zulassen würden, dann hätten wir kaum noch Leute, die die Proteste organisieren“, sagt Camilla Elle, die im ersten Semester Slawistik studiert. Entschieden wehrt sie sich gegen die Vorwürfe der Streikgegner, eine Minderheit von Studenten halte die Masse gewaltsam vom Lernen ab: „Unsere Proteste werden in Vollversammlungen beschlossen zu denen auch Streikgegner eingeladen sind“, sagt sie, „Wenn dort beschlossen wird, dass wir aufhören, dann werden sich alle daran halten.“ Juris Lempfert

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