Berlin : In den Osterurlaub - trotz Bestechungsverdachts

HANS TOEPPEN

BERLIN .Die dramatische Festnahmeaktion der Justiz gegen vier Beamte des Landeskriminalamtes und die nunmehr unverdeckten Ermittlungen gegen die Polizisten haben offenbar nicht zu neuen Erkenntnissen geführt.Nach Angaben der Verteidiger stützt sich der Verdacht weiterhin nur auf die Angaben eines rumänischen Belastungszeugen.Strafverteidiger Manfred Studier meint, dieser Zeuge habe seine Aussagen nur gemacht, um in Deutschland bleiben zu können.Einer der beschuldigten Polizisten hat mit dem Tagesspiegel gesprochen.



Nächste Woche fährt Wolfgang P.in den Osterurlaub.Der Urlaub ist lange geplant.Man wäre nicht überrascht gewesen, wenn die Justiz dem Kriminalbeamten P.(Name geändert) einen Strich durch seine Urlaubsrechnung gemacht hätte.Sie läßt ihn aber fahren, obwohl dem Beamten die Anstiftung und Beihilfe zu schwersten Straftaten und schwerste Bestechlichkeit vorgeworfen werden.Das gehört zu den irritierenden Begleiterscheinungen des Falles, der zum größten Korruptionsskandal der Berliner Polizei werden könnte oder zum größten Reinfall der Ermittler.Offenbar besteht weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr.Ist P.unschuldig und Opfer einer kriminellen rumänischen Verschwörung? P.selbst läßt keinen Zweifel.Natürlich ist er schuldlos: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen." Polizei und Justiz, sagt er, sind hineingelegt worden.

Am 16.März hatten die Ermittler so dramatisch wie drastisch zugeschlagen.Zwei Hauptkommissare und zwei Oberkommissare des Landeskriminalamtes wurden in Handschellen abgeführt.Eine Ehefrau in Fesseln aus einer Kita geholt.Sie sollen mehreren rumänischen Banden Tips für lohnende Raubüberfälle geliefert haben, und sie sollen dafür gut bezahlt worden sein.Zwischen 15 000 und 20 000 Mark pro Tip seien P.gezahlt worden.Einziger Belastungszeuge: der Deutsch-Rumäne Ion H.Er will dabei gewesen sein, als in seiner Bande über die Beamten geredet wurde.Und den Rest, sagt er, habe er von anderen gehört.Das Geld soll P.in dem Lokal "Cordoba" überreicht worden sein - im Beisein der Ehefrau jenes Kollegen, der in U-Haft sitzt.

Zwei Jahre lang hatte die Justiz verdeckt gegen die Beamten ermittelt.Das Ergebnis hat jedenfalls nicht gereicht, ihn in Haft zu nehmen.Über die Vorwürfe weiß er nichts.Nicht einmal die Taten und Termine wurden ihm genannt, zu denen er die Tips gegeben haben soll.Ihm fehle jede Möglichkeit, nach Entlastungsmaterial zu suchen, klagt er: "Das ist so, als nähme ich Sie auf der Straße wegen Raubes fest und sage auf Ihre Frage nach dem Tatvorwurf: Das müssen Sie doch selbst wissen."

P.ist Hauptkommissar.Er und ein Kollege haben ein Verbot der Amtsausübung.Ein weiterer Hauptkommissar sitzt in Haft.Ein Oberkommissar steht ebenfalls unter Haftbefehl, die Vollstreckung ist aber ausgesetzt.Alle stammen aus zwei Raub-Kommissariaten des LKA.

P.ist 51 Jahre alt.Erst war er bei der Bereitschaftspolizei, dann bei der Schutzpolizei, seit 1971 bei der Kripo.Geldprobleme hat er nicht, sagt er, und habe nie welche gehabt.Warum sollte er sich bestechen lassen, fragt er."Warum sollten wir in hohem Alter plötzlich mit den Rumänen Geschäfte machen?" Privat kenne er keine Rumänen.Er spreche auch nicht rumänisch.Der Hauptkommissar ist für Raubüberfälle zuständig.Nur ein einziges Mal habe er direkt mit einem Rumänen zu tun gehabt, sagt er, als dieser mit einer Anzeige kam.Er sei überfallen worden.In Neukölln.Der Fall konnte nie geklärt werden.P.wurde aber dazugeholt, nachdem ein SEK im Mai 1996 den rumänischen Bandenboß Vasile B.an der Otawistraße in Wedding überwältigt hatte.Vasile B.ist inzwischen zu einer hohen Haftstrafe verurteilt worden.P.s Name stand in den Ermittlungsprotokollen.Die Namen seiner Kollegen auch.Allerdings hätte Vasile B.durchaus mehr Anlaß, sich an anderen rächen zu wollen als ausgerechnet an P.Der hat in seinem Verfahren nur eine Nebenrolle gespielt.

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