Berlin : In den Träumen kehrt die Brandnacht oft zurück

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Schwache Rauchspuren an der Fassade über dem Hauseingang, deutlichere an der Innenhofseite des Gebäudes – nur noch wenig erinnert an dem Wohngebäude in der Moabiter Ufnaustraße 8 an den verheerenden Brand, der heute vor einem Jahr, in der Nacht vom 8. auf den 9. August 2005, neun Menschenleben gefordert hatte. Es war die schwerste derartige Katastrophe in Berlin seit den vierziger Jahren, ausgelöst durch die Zündelei eines zwölfjährigen, ebenfalls im Haus wohnenden Jungen. Die Opfer waren nicht verbrannt, sondern bei der Flucht durchs Treppenhaus erstickt.

Das hat die Hauseigentümerin längst renovieren lassen, mit den Treppenstufen und dem gedrechselten Geländer in hellem Holz, mit grünem Bodenbelag, die Türen mit blanken Messingbeschlägen, der saubere Anstrich im unteren Bereich sandfarben, darüber cremeweiß. Ordentlich stehen Schuhe vor den Türen aufgereiht, hier und da Abtreter, alles ganz normal.

Die Familie des Brandstifters, auch die Familie, in denen es Opfer gab, sind ausgezogen. Andere wie die aus dem Libanon stammende Familie Aoun sind geblieben, und es sind sogar noch Verwandte ins Haus gezogen. In der Brandnacht hatte der Rauch auch Zeiner Aoun mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im ersten Stock eingeschlossen. Ihr Mann war vom Balkon auf die Straße gesprungen, hatte dort die Kinder aufgefangen. Sie blieb auf dem Balkon, bis Hilfe kam.

Ihre drei Kinder, darunter der achtjährige Ali, konnten danach wochenlang nicht richtig schlafen, übernachteten beim Onkel in der Nähe, wie ihr Cousin, der 15-jährige Haider Aoun, erzählt, dessen Familie mittlerweile im zweiten Stock des Brandhauses wohnt. Auch ihr Mann habe monatelang immer wieder von dem Feuer geträumt, sagt Zeiner Aoun. Und auch für sie selbst ist die Brandnacht noch lange nicht überwunden. In Träumen kehrt sie oft zurück. ac

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