Berlin : In der Berliner Erde: Hunderte Bomben und viel Munition

Das Entschärfen und Vernichten von Bomben und Sprengkörpern gehört für Peter Jung zum ganz normalen Alltag. Jung ist Gruppenleiter der Berliner Polizeifeuerwerker. Täglich werden er und seine Leute um Hilfe gebeten. Seit 1992 mussten sie jährlich zu mehr als 1 000 Einsätzen ausrücken. Zwar entpuppten sich manche "Bomben" auch als Wärmflaschen oder Teile von Feuerlöschern. In rund 90 Prozent der Fälle war es aber ernst.

Die Bomben und Sprengkörper, mit denen es die Berliner Feuerwerker zu tun haben, sind Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg. Seit 1947 - damals wurden erstmals Listen über Funde von Blindgängern geführt - entschärften und vernichteten die Experten 7 210 Bomben und rund 1,8 Millionen Sprengkörper wie Grananten und Panzerfäuste. In diese Statistik nicht eingeschlossen sind die Zahlen aus Ost-Berlin bis zur Wiedervereinigung, über die Jung nicht verfügt. Allerdings sind darin auch die Sprengkörper enthalten, die nach der Wende auf früheren Übungsplätzen und in Kasernen der ehemaligen Sowjetarmee entdeckt wurden. Diese "zusätzliche" Munition ist nur ein Grund dafür, dass die Feuerwerker gerade nach der Vereinigung alle Hände voll zu tun bekamen. Es wurden zudem für den Ostteil der Stadt Luftbilder ausgewertet, die Hinweise auf Blindgänger gaben.

Bomben größeren Kalibers werden grundsätzlich vor Ort entschärft. Sind kleinere Fundstücke transportfähig, kommen sie auf den Sprengplatz in Grunewald. Die Arbeit ist gefährlich, räumt Jung ein. Allerdings sind auch die Sicherheitsbestimmungen sehr streng und die Ausbildung umfassend. Die künftigen Feuerwerker müssen zunächst einen Sprengschein erwerben und danach noch mehrere Spezial- sowie Wiederholungslehrgänge bei Bundeswehr und Bundeskriminalamt absolvieren.

Gebraucht werden Jung und seine Kollegen noch geraume Zeit. So rechnet die Senatsbauverwaltung damit, dass allein auf den bekannten Verdachtsflächen noch in den nächsten zehn Jahren Blindgänger entdeckt werden. Danach wird sich Berlin weitere zehn Jahre auf die Bearbeitung und Vernichtung von Munition aus so genannten Zufallsfunden einstellen müssen. Insgesamt befinden sich, schätzt Jung, in der Berliner Erde noch einige hundert Bomben und tausende Sprengkörper.

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