Berlin : In der Nacht sind alle Puppen bunt Mit dem Tagesspiegel nachts ins Museum

Dorothee Nolte

Pinocchio kommt auf leisen Sohlen. Gehalten von neun Fäden, angestrahlt von einer Taschenlampe, trippelt die Marionette auf die Besucher zu, die im Dunkeln um sie herumstehen, und gibt den Kindern artig die Hand. Ganz anders der bucklige spanische Hausmeister mit den herausquellenden Augen: Der drängelt sich frech heran, nimmt einer Besucherin die Brille weg, sein spitzes Gesicht im Schein der Taschenlampe verzerrt. Nikolaus Hein, Chef des Neuköllner Puppentheatermuseums, leiht beiden Figuren seine wunderbare, wandlungsfähige Stimme: ein Zauberer, der Hexen, Teufel und Könige zum Leben erweckt.

Auch Erwachsene lassen sich so von dieser ältesten Form der Theaterkunst begeistern. Das zeigte sich bei der ersten von acht exklusiven Nachtführungen durch Berliner Museen, die der Tagesspiegel im Rahmen seines Erzählwettbewerbs für Leser organisiert hat. Sie sollen die Phantasie anregen – vielleicht kommt ja der eine oder andere auf eine Idee für eine Geschichte, denn das Wettbewerbs-Thema lautet: Museum. Aber natürlich sind die Nacht-Führungen für alle Interessierten offen.

Das charmante Pupptentheatermuseum in Neukölln ist wie geschaffen für Taschenlampenführungen, hat so ein Besuch im Dunkeln doch viel mit einer Theaterschau gemein: Objekte werden beleuchtet und wie auf eine Bühne gehoben.

Mit Applaus verabschieden die Besucher Nikolaus Hein. „Noch mal den Hausmeister“, betteln die Kinder, und Hein holt ein letztes Mal das Geschöpf des spanischen Künstlers Alejandro Corral hervor. Man überlässt die Puppen nur ungern wieder der Dunkelheit. Und tröstet sich mit dem Gedanken, dass man wiederkommen kann - in der angeschlossenen Bühne gibt es auch für Erwachsene regelmäßig Abendprogramme.

Die nächste Nachttour durch ein Museum, zu der Sie sich anmelden können, finden Sie am Dienstag auf unserer fünften Sonderseite zur Serie. Wohin es geht, wird noch nicht verraten. Infos Puppentheatermuseum: www.puppentheater-museum.de

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