Berlin : In der Paris Bar nackt um halb eins

Bulgariens Präsident eröffnet im Kulturinstitut seines Landes eine Ausstellung, die Wowereit in frivoler Pose zeigt. Der nimmt’s mit Humor

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Dass Klaus Wowereit nach den täglichen Pflichten seines hohen Amtes gerne auch zu später Stunde noch das Berliner Nachtleben bereichert, hat sich inzwischen herumgesprochen. Doch zu dem Bild des mondänen Paradiesvogels, das der bulgarische Künstler Dimitri Vojnow sich vom Regierenden Bürgermeister ausmalte, reichte die Phantasie bisher nicht aus. Auf Vojnows Gemälde „Paris Bar“ erscheint Klaus Wowereit nicht gerade in staatsmännischer Haltung. Umringt von prominenten Nachteulen wie Altrocker Udo Lindenberg, Talkdiva Sabine Christiansen und Politrentner Gregor Gysi hockt der Regierende Bürgermeister in lasziver Pose über einem Bartisch. Splitternackt, die Brustwarze gepierct, schlürft Wowereit seinen Drink mit langem Strohhalm aus dem Stiletto einer unbekannten Schönheit. Sein rechter Arm hängt müde herab und umklammert einen Teddybären. Die „Paris Bar“, ein Käfig voller Narren.

Bulgariens Staatspräsident Georgi Parwanow höchstpersönlich wird die Ausstellung des Wandgemäldes, deren schwüle Szenerie entfernt an die sarkastischschrillen Werke des Expressionisten Otto Dix erinnert, am 6. November während seines Staatsbesuchs im bulgarischen Kulturinstitut in der Leipziger Straße eröffnen. Der hohe Gast, Vorsitzender der Bulgarischen Sozialistischen Partei, dürfte sich über das dekadente Sittengemälde der deutschen Hauptstadt und die ungewöhnlich freizügige Darstellung des Regierenden Bürgermeisters zumindest wundern.

Am Vormittag wird Parwanow zunächst von Wowereit im Roten Rathaus empfangen und sich im Goldenen Buch eintragen, bevor er am Abend die Ausstellung mit dem Bild „Paris Bar“ (Acryl auf Leinwand, 8 mal 1,50 Meter) eröffnen wird und den Regierenden in schriller Pose zu Gesicht bekommt.

Kunstfreiheit oder Verunglimpfung eines staatlichen Würdenträgers? Den Künstler selbst kümmert diese Frage nicht. „Das ist kein politischer Kommentar, sondern ein künstlerisches Märchen“, sagt Dimitri. Einen diplomatischen Eklat müssen die Bulgaren ohnehin kaum befürchten.

In Regierungskreisen gilt es als sicher, dass Klaus Wowereit keinen Anstoß daran nimmt, als nackter Stiefeltrinker in die Kunstgeschichte einzugehen. Zurzeit wirbt Wowereit in Shanghai bei Investoren für den Wirtschaftsstandort Berlin. Sicher würde er mit dem Vojnow-Bild nicht auf Akquise-Tour gehen, heißt es aus der Senatskanzlei, aber Wowereit habe einen Sinn für Ironie, die seine Person betrifft. Spätestens nach der Veröffentlichung eines Fotos, das ihn nach der Bambi-Verleihung im vergangenen November zeigte: in der linken Hand einen roten Schuh, in der rechten eine Flasche Champagner. Wowereit amüsierte sich damals über den Schnappschuss und setzte sich über Haare raufende Senatssprecher hinweg, die ihn vor dem Image des Partylöwen warnten. Diesmal, so die Erwartung, werde Wowereit als kunstinteressierter Mensch vermutlich gerne zur Vernissage kommen. sib/wie

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