Berlin : In der Pose des Halbstarken (Kommentar)

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Als Manfred Stolpe vor Jahren in seinem Land für eine Fusion mit Berlin warb, war das wichtigste Argument der Gegner: Berlin wird Brandenburg unterbuttern. Stolpe widersprach heftig - aber vergebens; die Leute blieben skeptisch, die Fusion scheiterte an den Brandenburgern. Heute müsste der Ministerpräsident redlicherweise einräumen: Seine Leute hatten Recht. Das Berlin von heute, von dem manche sagen, es sei das neue Berlin, gefällt sich in einer alten Pose: der des Halbstarken. Und tatsächlich ist die Stadt ja stärker geworden, als sie noch vor ein paar Jahren war - politisch, wegen des Umzugs von Parlament und Regierung, wirtschaftlich und gesellschaftlich infolge dieses Umzugs. Im überstolzen Gefühl neuer Größe ging das Gespür für den richtigen Umgang mit dem unscheinbaren Nachbar verloren. Die Folge: Brandenburg zieht sich dort zurück, wo auf der Grundlage von Staatsverträgen auch ohne Fusion gemeinsam gewirkt - und gezahlt - werden sollte. Das mag man konsequent nennen oder auch übertrieben beleidigt. Wenn aber die Fusion als politisches Ziel weiterhin ernst genommen werden soll, muss die Zusammenarbeit ausgebaut werden. Wer sie einschränkt, gefährdet das gemeinsame Land.

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