Berlin : In der Schule angeschossen: Schießübung auf dem Schulweg

Susanne Vieth-Entus

Aus der Waffe, mit der am Dienstag eine Siebtklässlerin der Ernst-Adolf-Eschke verletzt wurde, war schon am Morgen auf dem Schulweg in einer kleinen Parkanlage zwischen S-Bahnhof Eichkamp und Waldschulallee im Beisein etlicher Schüler ein "Probeschuss" in die Luft abgegeben worden. Dies ergaben jetzt die Befragungen der Kinder. Um den Vorfall aufzuarbeiten, sollen nun Schüler und Lehrer der Schule gemeinsam den englischen Soldatenfriedhof an der Heerstraße säubern.

Einen entsprechenden Vorschlag des Charlottenburger Volksbildungsstadtrats Andreas Statzkowski will die Konrektorin und amtierende Leiterin der Gehörlosen-Schule, Veronika Fuchsmann, jetzt der Gesamtelternvertretung und der Schulkonferenz unterbreiten. Sie sei sich mit Statzkowski darin einig, dass man damit einen "sinnvollen pädagogischen Bezug" setzen könne, zumal es sich bei der Waffe vermutlich um eine Militärpistole handele, so Frau Fuchsmann. Allerdings müsse noch geklärt werden, ob die Schüler den Friedhof überhaupt betreten dürften. Die Schulleiterin hatte den Stadtrat von sich aus um einen Vorschlag für eine gemeinnützige Tätigkeit gebeten, da die Zeugen des "Probeschusses" die Lehrer nicht gewarnt hatten, obwohl das ihre Pflicht gewesen wäre, betont Frau Fuchsmann.

Die Schülerin, die die Waffe mit zur Schule gebracht hatte und dann versehentlich den Schuss im Umkleideraum der Turnhalle auslöste, nahm gestern Morgen in Begleitung von Familienmitgliedern an einer Versammlung in der Schule teil, bei dem im Beisein eines Polizeibeamten der Vorfall thematisiert wurde. Die Familie habe angegeben, dass das Mädchen noch unter Schock stehe. Deshalb wollte sie mit ihm zum Arzt gehen. "Für die Schülerin wäre es allerdings besser, sie käme zu Schule", meint hingegen die Schulleiterin, da man in diesen Tagen das Geschehene gemeinsam aufarbeiten könne.

Wie berichtet, geht es der 15-jährigen Schülerin, die beim Herumzeigen der Waffe einen Bauchschuss erlitten hatte, schon besser. Die Herkunft der automatischen Neun-Millimeter-Pistole ist noch nicht zweifelsfrei geklärt. Während der verdächtigte Großvater, gegen den weiter wegen illegalen Waffenbesitzes ermittelt werde, bestreite, dass die Waffe von ihm stamme, habe sich nun ein anderes Familienmitglied selbst beschuldigt, teilte die Polizei gestern mit. Dies lasse sich wohl "nicht so schnell" aufklären, hieß es weiter.

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