Berlin : In der Talsohle? In Berlin purzeln die Grundstückspreise

CHRISTIAN VAN LESSEN

Gutachterausschuß ermittelte: Bodenwerte um bis zu 20 Prozent gesunken VON CHRISTIAN VAN LESSEN

Berlin. Grundstücke in Berlin werden zum großen Teil immer billiger: Bis zu 20 Prozent sind die Preise 1996 im Vergleich zum Vorjahr gesunken.Nach Ansicht von Bausenator Jürgen Klemann ist jetzt auf dem Immobilienmarkt vermutlich die Talsohle erreicht, doch die Prognosen des Gutachterausschusses für Grundstückswerte weisen auch für das erste Halbjahr 1997 meist mit dem Pfeil nach unten.Schon jetzt werden auf Teilen des Immobilienmarkts Preise erzielt, die fast schon an die Zeit vor sieben Jahren erinnern. Nach dem explosionsartigen Anstieg der Preise nach der Wiedervereinigung und nach der Euphorie über den Hauptstadtbeschluß hält die 1994 eingesetzte Trendwende unvermindert an.Von einem "Crash" könne aber nach den Erkenntnissen des Gutachterausschusses bei der Senatsbehörde noch immer nicht gesprochen werden, sagte Klemann.Es gebe teilweise auch "stabilisierende Tendenzen": So ist bei Mehrfamilienhäusern wieder mit leicht steigenden Preisen zu rechnen.Erstmals aber ist von einem "extremen Käufermarkt" die Rede. Eigenheimbauer und Investoren hielten sich im vergangenen Jahr aber zurück: Zunehmend wird auf Lage und Qualität geachtet.Die Preise im Ost- und Westteil haben sich nach Angaben des Gutachterausschusses bei vergleichbarer Qualität nahezu angeglichen.Sollte es noch Preisunterschiede geben, wird sich der Markt nach unten, am Niveau des Ostteils, orientieren.Bei Ein- und Zweifamilienhäusern stagnierten dort die Preise, während sie im Westteil um 10 Prozent im Vergleich zu 1995 zurückgingen. Eigentumswohnungen wurden im ganzen Stadtgebiet billiger, durchschnittlich erzielten die Verkäufer fünf Prozent niedrigere Preise.1997 werden sie nach den Prognosen weiter fallen.Der Bausenator wies daraufhin, daß diese Entwicklung und die sinkenden Baupreise auch der Eigentumsförderung helfen.Bei noch freien Wohnungsbauflächen sanken die Preise im Westteil bis 20 Prozent, erstmals auch in so bevorzugten Lagen wie Grunewald und Dahlem, wo noch Spitzenwerte von 2000 Mark pro Quadratmeter gezahlt werden, sich die Konkurrenz des Villengebiets von Kleinmachnow aber bemerkbar macht.Überraschend war der "Preiseinbruch" Frohnaus, das von 1000 Mark vor zwei Jahren auf durchschnittlich 700 Mark gesunken ist.Billiges Bauland im Umland lockt mit Preisen von weniger als der Hälfte, was auch Rudow und Kladow zu spüren bekommen."Die Vorbehalte gegen den Osten werden immer geringer", sagte Ausschuß-Vorsitzender Dietrich Ribbert. Auch beim Industriebauland kann Berlin mit landeseigenen Flächen Brandenburgs nicht konkurrieren: Die Gutachter ermittelten, daß dort 30 bis 40 Mark pro Quadratmeter verlangt werden, vermuten "kräftigste Subventionen", Berlin verkaufe allenfalls zum Selbstkostenpreis von 250 Mark. Das Überangebot an Geschäfts- und Büroräumen hat die Bodenpreise in sogenannten Kern- und Mischgebieten um 15 Prozent fallen lassen, an der Friedrichstraße beispielsweise soll sich ein Quadratmeterpreis von 10.000 Mark noch rechnen.Der Gutachterausschuß, der alle Kaufpreise auswertet, will weitere und detaillierte Aussagen in seinem Grundstücksmarktbericht 1996 erläutern.Nähere Informationen sind ab Ende Februar bei seiner Geschäftstelle unter der Telefonnummer 867-5564 zu erhalten. Bendzko: Preiseuphorie ist vorbei (emv).Der Berliner Immobilienmakler Willi Bendzko, der heute den 35.Jahrestag seiner Geschäftsgründung feiert, beurteilt die Aussichten für das Immobilienjahr 1997 im Großraum Berlin überwiegend optimistisch."Die Preiseuphorie am Anfang der 90er Jahre war ungesund", sagte Bendzko.In seinem Geschäftsbereich gingen die Immobilienpreise jetzt zwar zurück, lägen aber im Fall von Eigentumswohnungen immer noch deutlich über dem Niveau von 1989."Heute hat sich das Preisniveau konsolidiert", betonte Bendzko. Bis zur zweiten Hälfte 1998 sieht er die Preisentwicklung bei Berliner Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern als stabil an.Danach könnten die Preise wegen des Regierungsumzuges anziehen."Eigentumswohnungen werden als Form der privaten Rentenvorsorge und als Anlageobjekte immer wichtiger" sagte er.Bei den Büroflächen rechnet Bendzko damit, daß sich der Leerstand in Berlin ab 1998 deutlich verringern wird."Die Aufnahmefähigkeit des Marktes wird wieder steigen, da zur Zeit weniger Büroraum entsteht", urteilte der Immobilienmakler.

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