In der TAT : Ein Licht in die Welt

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Es ist leicht, eine Kerze anzuzünden, wenn man eine besitzt und die Streichhölzer dazu. Ein bisschen schwieriger ist es, ohne Wachs und Schwefel ein Licht aufleuchten zu lassen, denn dazu braucht man auch noch Fantasie, offene Augen und Ohren und ein bisschen Extrazeit, was für viele schon ein Luxus ist. Immer wieder berichten uns Leser von Menschen, die trotzdem in der Lage sind, solche Lichter in die Welt zu bringen. Die alte Dame aus Wannsee zum Beispiel, sie traf auf einen solchen Menschen. Erst war sie sehr enttäuscht, als sie in ihrem Supermarkt mitten in der Adventszeit keine einzige Kerze finden konnte. Erst klagte die 89-Jährige der Kassiererin ihr Leid, dann dem herbeigerufenen Chef, der versprach, dass eine Woche später wieder Kerzen da sein würden. Eine Woche ist aber sehr lang in der dunklen Jahreszeit, die man sich mit Kerzen immerhin gemütlicher machen kann.

Eine junge Frau war zufällig Zeugin der Konversation. Spontan bot sie der alten Dame an, Kerzen im benachbarten Zehlendorf für sie zu besorgen. Das Angebot einer völlig Unbekannten anzunehmen, habe sie einiges an Überwindung gekostet, berichtete die Leserin, die davon gleichwohl sehr gerührt war. Aber dann nahm sie an, am übernächsten Tag sollte die Unbekannte die Kerzen liefern. Tatsächlich stand die Frau, die in Treptow wohnt und in Wannsee arbeitet, aber schon drei Stunden später vor der Tür – mit den Kerzen. Die waren dann nicht mal der einzige Grund für die Freude der alten Dame. Dass sie diese Art von Hilfsbereitschaft von einer fremden Frau erfahren durfte, hat sie noch mehr gerührt als die vorweihnachtliche Illumination ihrer Wohnung.

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