In der TAT : Scheinwerferlicht, das global glänzt

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Darf ein Filmfestival Menschen ins Licht der Öffentlichkeit rücken, die unterdrückt und misshandelt werden oder sonst wie in Not geraten sind? Diese Frage ist im Zusammenhang mit der Berlinale immer wieder kontrovers diskutiert worden und wird an Aktualität nicht verlieren. Als vor einigen Jahren bei der Berlinale der Film „Bordertown“ über Massenmorde an mexikanischen Arbeiterinnen in der Grenzstadt Ciudad Juarez gezeigt wurde, schäumten Kritiker über die schlechte Qualität des Films, der aber gleichwohl mit einem „Artists for Amnesty“-Award ausgezeichnet wurde und den Müttern der Opfer endlich die Möglichkeit gab, vor einer globalen Öffentlichkeit auf das Unrecht in ihrer Heimat aufmerksam zu machen. Im vergangenen Jahr gab es bei der Berlinale Solidaritätsaktionen für den iranischen Regisseur Jafar Panahi, der eigentlich Jury-Mitglied sein sollte, aber in seiner Heimat wegen „Propaganda gegen das System“ verurteilt worden war. Berlinale-Chef Dieter Kosslick hat immer wieder gesagt, dass man mit Filmen die Welt auch zum Guten verändern könne. Der frühere Gewinnerfilm „Grbavica“ über Massenvergewaltigungen im Jugoslawienkrieg etwa habe geholfen, dass die betroffenen Frauen zumindest eine kleine Rente bekommen.

Dass ein Film aus Zuschauern bessere Menschen macht, darf zwar bezweifelt werden, Umfragen sprechen eher dagegen. Aber auch das Urteil darüber, was ein guter Film ist und was nicht, kann niemals objektiv sein. Der Geschmack von professionellen Filmkritikern ist oft ganz anders als der vom Kinopublikum. Wenn man das im Hinterkopf hat, kann ein Festival seine Rolle in der Gesellschaft durchaus gerade dann finden, wenn es aus der Welt einen besseren Ort macht, wie amerikanische Filmschaffende das gern nennen. Ganz sicher ist, dass man ein Festival nicht missbrauchen, wohl aber nutzen kann, um Menschen zu helfen, um ein Scheinwerferlicht auf Missstände zu werfen. Wenn das gelingt, ist es am Ende ganz einerlei, wer lobt und wer tadelt.

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