Berlin : In die frühere Gewerkschaftsschule Bernau ziehen Landesbehörden

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Auf dem riesigen Gelände der früheren Gewerkschaftsschule am Rande von Bernau herrscht keine Friedhofsruhe mehr. Stattdessen hört der Besucher des 27 Hektar großen Areals aus verschiedenen Gebäuden Baulärm. Die schwierige Wiederbelebung des denkmalgeschützten Architekturzeugnisses aus den zwanziger Jahren, das mit mehreren Bauten zu DDR-Zeiten ergänzt worden war, hat begonnen. Wie das Brandenburger Finanzministerium bestätigte, werden Räumlichkeiten für den Umzug des derzeit noch in Oranienburg befindlichen Landesjugendamtes sowie des in Strausberg ansässigen Landesbauamtes hergerichtet. Noch in diesem Jahr soll Baubeginn in den für das Pädagogische Landesinstitut und das Lehramt für die Sekundarstufe reservierten Gebäuden sein. Noch keinen Termin gibt es dagegen für die Einrichtung eines Internates der Handwerkskammer Berlin und einer Schule für die Oberstufe. Insgesamt will das Land 35 Millionen Mark in die Restaurierung investieren, sagte Ministeriumssprecher Martin Braun.

Insbesondere die Mitglieder im Verein "Baudenkmal Bundesschule Bernau" hören den Baulärm mit verständlicher Freude. Denn sie hatten nach dem Auszug der Fachhochschule für Verwaltung im Sommer 1998 das Schlimmste befürchtet. Leerstand, so hieß es damals warnend, sei fast immer mit Vandalismus und Zerstörung verbunden. Zumindest diese Gefahr ist jetzt kleiner geworden.

Dennoch werden für wesentliche Teile des unweit der Autobahnausfahrt Bernau-Nord gelegenen Ensembles weitere Interessenten gesucht. Insgesamt gibt es hier 600 Internatsplätze, fünf Hörsäle, 14 Seminarräume, eine Mensa, mehrere Plattenbauten, ein Freibad und einen großen Garagenkomplex. Entworfen hatte die Schule der ehemalige Bauhausdirektor Hannes Meyer 1928 für den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund. Eine Ausstellung in einer in den Originalzustand der dreißiger Jahre versetzten Lehrerwohnung hält die Geschichte fest. Zwischen 1930 und 1933 absolvierten hier 5000 Gewerkschafter die Lehrgänge. Sie profitierten von einer neuen Architektur mit einer lichtdurchfluteten Internatszeile sowie hellen Lehr- und Wohnräumen. Am 2. Mai 1933 besetzte die SA das Gelände, und einen Monat später eröffnete Hitler hier die Reichsführerschule der NSDAP und der Deutschen Arbeitsfront. Archivmaterialien belegen die Einbeziehung der Schule in die Vorbereitung des Zweiten Weltkrieges. Hier erfolgte die Einweisung jener SS-Angehörigen, die am 31. August 1939 unter der Tarnbezeichnung "Unternehmen Tannenberg" in polnischen Uniformen den deutschen Radiosender Gleiwitz und die Zollstation Hochlinden überfielen. Nach dem Krieg richtete zunächst die Rote Armee ein Lazarett ein, ehe der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) als Nachfolger des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes die Gebäude übernahm und neue Häuser errichten ließ.

Heute ist die Stadt Bernau Eigentümer der Anlage. Mit dem Land Brandenburg wurde ein "Erbbaurechtsvertrag über die Einrichtung einer Hochschule für Verwaltung" abgeschlossen. Da diese aber auf dem Gelände der Polizeischule im benachbarten Basdorf entstand, besteht der ursprüngliche Zweck nicht mehr. Das Land drängt die Stadt Bernau deshalb auf eine Reduzierung des Erbbauzinses für den Teil der Fläche, auf dem Landeseinrichtungen arbeiten. Die Stadt wehrt sich dagegen, weil sie erheblichen Bedarf in der Infrastruktur sieht. Trotz der jetzt begonnenen Bauarbeiten wird also weiter um das Baudenkmal gestritten.

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