Berlin : In die Tiefe

Andreas Conrad

sieht den maroden Staatsopernlift als kulturelle Chance Seit der Antike kennt die Theatergeschichte den Deus ex machina: In unentwirrbaren Situationen ließ der Dramatiker kurzerhand einen Gott einschweben, der alles wieder richtete. Beim Gott der Unterwelt dürfte man sich mit einer Hebebühne beholfen haben. Was aber, wenn die Maschine streikte? Schrieben Sophokles oder Aristophanes ihre Verse schnell um? Und welchen Gott hätten sie für die paradoxe Lage der Staatsoper bemüht: Die Reparatur der maroden Bühnenhydraulik wird als Flickwerk ablehnt, man hofft lieber auf die Generalüberholung – in diesen mageren Zeiten! Aber es gibt Auswege, auch ohne Gott. Man muss nur den Mangel als Chance begreifen: Die Auslastung des Hauses ist in Berlin Spitze? Nun, sie könnte noch besser werden, wenn man sich nur auf lukrativere Kulturformen besinnt. Ein unerwartet nach unten sausender Fahrstuhl – was kann man nicht daraus für Effekte erzielen. Im Film hat man es wieder und wieder vorgeführt, zu unser aller freudigem Entsetzen. „Flammendes Inferno“ scheidet aus feuerpolizeilichen Gründen aus, aber warum nicht eine Opernversion von „Stirb langsam I“ auf die Bühne bringen? Der Tannhäuser-Lift würde so zum Fahrstuhl im Nakatomi-Tower, und vielleicht kommt sogar Bruce Willis zur Premiere.

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