• In einer Spandauer Konditorei kann man sich sein Lieblingsbild auf die Torte drucken lassen

Berlin : In einer Spandauer Konditorei kann man sich sein Lieblingsbild auf die Torte drucken lassen

Rainer W. During

"Auf den essbaren Heiratsantrag warten wir noch", sagt Heike Rödiger. Ansonsten haben die Mitarbeiter der Konditorei Fester vom Foto über das Firmenlogo bis hin zum Notenblatt schon fast alles auf das leckere Backwerk gezaubert. Am Marktplatz im Herzen der Spandauer Altstadt steht Berlins erster Tortendrucker.

Die Idee stammt aus Amerika. Baby oder Hochzeitspaar auf süßer Unterlage, das ist die neueste Form der Verzierung bunter Torten. Bisher war das unmöglich. Ein herkömmliches Foto auf den Kuchen zu legen, verbietet das strenge Lebensmittelrecht. So gab es vor mehr als zehn Jahren in den USA die ersten Versuche mit einem Gerät, in das die Torte eingespannt und die Vorlage dann abgepaust wurde. Ein ebenso aufwändiges wie teures Verfahren. Und erste Drucker verwendeten ein viel zu dickes "Papier" und lieferten nicht die erhofften Farbwerte.

Diese Anfangsschwierigkeiten sind dank moderner Computertechnik behoben. Das Prinzip ist einfach, erläutert die Prokuristin des alteingesessenen Familienbetriebs. Mit einem Scanner werden Vorlagen aller Art kopiert. Als Drucker dient ein modifiziertes Modell eines grossen japanischen Herstellers. Statt mit der herkömmlichen Tinte arbeitet er mit speziellen Lebensmittelfarben, als Untergrund dient ein hauchdünnes, biegsames Esspapier auf Stärkebasis, das leicht süßlich schmeckt, hygienisch verpackt und mit Haltbarkeitsdatum versehen ist.

Damit lassen sich - wahlweise in Farbe oder Schwarz-Weiß - Fotos und sonstige Vorlagen nicht nur originalgetreu wiedergeben, sondern bis zum DIN-A4-Format auch vergrößern oder verkleinern. "Die Torte besteht meist aus Creme und Bisquit, es kann aber auch nur Creme oder Baumkuchen sein", so Heike Rödiger. Wichtig ist nur, dass sich obendrauf als Unterlage eine trockene Decke aus marzipanähnlichem Rollfondant befindet.

In der Backstube montiert gerade Konditor Daniel Paulisa ein altes Hochzeitsfoto auf eine rosafarbene Herztorte. Das Trauungsbild von Oma und Opa zur Goldenen Hochzeit oder die lieben Kleinen sind gefragte Motive. "Auch Tiere sind total beliebt", berichtet Heike Rödiger. Ein Dirigent wurde mit einem Notenblatt erfreut, und für einen Wehrmann gab es einen kompletten Löschzug, der noch mit einem Modell-Feuerwehrmann samt Schlauch garniert wurde. Für gestandene Konditoren ist der Tortendruck schon gewöhnungsbedürftig, stellt er doch eine Abkehr von den bisherigen, handwerklichen Traditionen dar. Doch die Resonanz zeigt, dass neue Käuferschichten erschlossen werden, so die Prokuristin. Gerade junge Leute zeigen sich von der Idee angetan. "Es ist schön zu beobachten, wenn die Leute ihre Torte abholen, das Bild sehen und leuchtende Augen bekommen". Tatsächlich verspeist werden die essbaren Fotos nur in den seltensten Fällen.

Ob Schnappschuss oder handgeschriebener Liebesbrief, in nur fünf Minuten ist ein Bild erstellt. Für den Rest sollten Interessenten den Konditoren dagegen schon zwei Tage Vorlauf einräumen. Ab 80 Mark ist bei der Konditorei Fester eine Bildertorte zu haben, für nur 20 Mark gibt es im Geschäft am Marktplatz den essbaren Druck auch für den Kuchen daheim.

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