Berlin : "In fünf Jahren feiern wir wieder"

Bernd Matthies

Zum Thema Ergebnisse I: Stimmenanteile und Sitzverteilung im Abgeordnetenhaus
Ergebnisse II: Direktmandate im Abgeordnetenhaus
Ergebnisse III: Ergebnisse nach Regionen (Abgeordnetenhaus und BVV)
WahlStreet.de: Die Bilanz Ein Erdrutsch? Wenn es einer war, hat er jedenfalls bei der CDU niemanden mehr mit sich gerissen. Alle wussten, was da kommen würde, entgegen allem Wahlkampfoptimismus: "Man darf den Galgenhumor nicht verlieren" hieß die Parole des Zehlendorfers Stefan Schlede, und als um 18 Uhr die ersten Trendmeldungen verkündet wurden, war die Erregung über den Erfolg der PDS schon größer als über das eigene Scheitern. "Totenstille", so behauptete ein Fernsehreporter später, habe in diesem Moment geherrscht, doch es war wohl allenfalls der Versuch, die sehr leisen Fernsehgeräte zu verstehen - so, als hätten schon die Tontechniker geahnt, dass hier niemand die Quittung der Wähler zu laut präsentiert bekommen wollte. Als Frank Steffel und Eberhard Diepgen um 18 Uhr und acht Minuten den Festsaal des Abgeordnetenhauses betraten, brandete allerdings Beifall auf, trotziger Beifall. Frank Steffel, ein wenig überragt von seiner Frau Katja, übernahm sogleich die Verantwortung, nein: die "Hauptverantwortung" für die Wahlniederlage, freilich ohne zu sagen, was das konkret bedeuten könne, Eberhard Diepgen sekundierte ebenso wolkig. Beifall, dann Bier und Würstchen - und unter der Hand sarkastische Zornausbrüche, für die allerdings niemand öffentlich einstehen wollte: "Die sind doch verrückt da im Osten, die sollte man wieder einmauern." Währenddessen gab Eberhard Diepgen, den sie hier immer noch den Regierenden nennen, Interview um Interview, je nach Thema abrupt wechselnd zwischen fast schmerzhaft strengem Lächeln (CDU/SPD), lindem Spott (FDP) und aggressivem Ernst (PDS).

Seine Frau organisierte derweil Kartoffelsuppe und Bier und gab Erfahrungen eines langen politischen Lebens hinzu: "Ich sage immer, ein bisschen Demut ist angesagt in Sieg oder Niederlage." An die Substanz ging es erst, als die ersten Bezirksergebnisse herumgereicht wurden und das Ausmaß der Niederlage klarer wurde. Galgenhumor: "Immerhin sind wir in Mitte noch zweitstärkste Partei" (Volker Liepelt), "wir wollten doch die absolute Mehrheit in Zehlendorf, wo ist sie denn nun?" (Stefan Schlede). Als die Interviews im Kasten waren, leerte sich der Raum; Schadensbegrenzung in den Bezirken war angesagt, und der Blick richtete sich in die Zukunft: "In fünf Jahren gibt es was zu feiern", rief einer zum Abschied, "denn schlimmer kann es ja nicht mehr werden."

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