Berlin : In Gesichtern lesen

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„Es ist in den Gesichtern“, sagt Daniel R. Coats, als er die Bilder des New Yorker Fotografen Ken Schles gesehen hat. Der amerikanische Botschafter ist fasziniert davon, wie der 11. September in die Gesichter der New Yorker Spuren gräbt, und wie zugleich aber diese ausdrucksstarken Gesichter den abstrakten Schrecken lesbar machen, ihm eine humanistische Dimension verleihen. Es ist der Vorabend des 11. September 2002, und Schles, der in der Galerie c/o Berlin (Linienstraße 144) in Mitte zur Zeit mit der Ausstellung „Geometry of Innocence“ vertreten ist, ist eigens angereist, um seine SchwarzweißAufnahmen von den Tagen nach der amerikanischen Katastrophe an die Wand zu werfen. Der Fotograf mit dem spitz zulaufenden grauen Bart erzählt: „Sieben Tage habe ich fotografiert, und zwar nie die Unglücksstelle selbst, sondern die Folgen, die diese Katastrophe auf die Menschen in der Stadt hatte.“ Klassische Straßenfotografie. Schles fuhr U-Bahn, ging nach Brooklyn, sah Menschen auf Parkbänken, mit Flaggen und Mundschutz, mit Haustieren und einander in den Armen liegend. Auch seine Frau ist zu sehen, wie sie auf dem Asphalt vor einer Parkbank der kleinen Tochter die Windeln wechselt – „für mich war das auch ein Symbol.“ Es war leicht, in diesen Tagen Symbole zu finden, denn New York war voll davon und kannte nichts anderes mehr als die Emotion dieser kollektiven Erfahrung. Abzüge der Bilder wird es nicht geben: „Ich will dieser Tat nicht mit Prints Materialität verleihen.“ ded

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