Berlin : In guter Gesellschaft

Neue Tagesspiegel-Reihe „Zeitung im Salon“: Elisabeth Binder las aus ihrem Buch

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Auch ein kleines Gespräch kann zum Riesenproblem werden. Denn die Kunst des Small Talk ist nicht jedermann gegeben. Aber sie kann erlernt werden, wie die Zuhörer beim Abend „Zeitung im Salon“ erfuhren. Schließlich saß Elisabeth Binder auf dem Podium im Restaurant „Möwe“ des Palais’ am Festungsgraben. Zum Auftakt der neuen TagesspiegelVeranstaltungsreihe trug sie ihre Erfahrungen als Gesellschaftsreporterin und Restaurantkritikerin vor. Diese hat sie im Buch „Wer sich in Gesellschaft begibt – ein kleines Regelwerk für Individualisten“ (Argon-Verlag) aufgeschrieben.

Etwa 100 Menschen hatten es sich auf den roten Plüschsofas bequem gemacht und lauschten Anekdoten von arroganten Kellnern, albtraumartigen Intellektuellenpartys und absurden Small Talks. Etwa so: „Sie sehen so gut aus! Sind sie verliebt?“ Oder: „Als ich neulich in den Anden auf Inka-Pfaden wanderte...“ Hauptsache, so sagte Elisabeth Binder augenzwinkernd, man erzähle möglichst wenig Persönliches, betreibe dezent Namedropping und kenne sich bestens in den letzten Fußballergebnissen und Bestsellerlisten aus. Und dann lehrte Elisabeth Binder noch, wie wichtig es ist, Partyhäppchen anmutig zu verzehren. Mit Fingerfood von „eßkultur“ war auch gleich Übungsmaterial zur Hand.

Die „Zeitung im Salon“ kam beim Premierenabend, der von Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt moderiert wurde, gut an. Alsbald entwickelte sich ein reges Frage-Antwort-Spiel: Wie wird man einen unliebsamen Gesprächspartner los? „Mit Charme.“ Macht es denn Spaß, ständig von Veranstaltungen zu berichten? „Gesellschaft ist in den meisten Fällen richtig harte Arbeit“, sagte die Autorin. „Man weiß zum Beispiel nie genau, wie die Kleiderordnung ist. Das Furchtbarste ist jedoch das No-show-Syndrom, also zusagen und nicht kommen.“ Beinahe hätte Elisabeth Binder an diesem Abend selbst ein „No show“ verursacht – wegen einer starken Erkältung. Aber das wäre ja eine Entschuldigung gewesen. cof

„Zeitung im Salon“ im ehemaligen Restaurant „die Möwe“, Am Festungsgraben1, Mitte, nächste Termine: 28. Oktober Robert von Rimscha, 2. Dezember Bas Kast, 20. Januar Harald Martenstein. Die Anmeldemodalitäten werden rechtzeitig bekanntgegeben.

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