Berlin : In Mitte sollen drei Grundschulen geschlossen werden

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Mitte. Petra Khaled ist sauer. Im Januar hat sie ihre Tochter ordnungsgemäß an der Grundschule in der Luisenstadt angemeldet. Die liegt nicht weit von ihrer Kreuzberger Wohnung, der Kinderhort ist direkt daneben und das Profil der Schule gefällt ihr. Vor zwei Wochen hat sie dann aber erfahren, dass diese Grundschule – wie die Richard-Schröter-Grundschule und Mosaik-Grundschule – im kommenden Schuljahr keine ersten Klassen einrichten wird. „Wie soll ich jetzt, so kurz vor den Sommerferien, noch eine ordentliche Schule für meine Tochter finden?“, fragt Khaled, die ihr Kind nur ungern auf eine Kreuzberger Schule schicken möchte. „Meine Tochter spricht kein türkisch, sie hat ja schon auf dem Spielplatz Verständigungsprobleme.“

Der Vorsitzende des bezirklichen Schulausschusses, Uwe Wolff, hat Verständnis für den Ärger. „Die Entscheidung, die ersten Klassen nicht einzurichten, fiel zu spät“, sagt er. So kurzfristig hätten die Eltern kaum noch die Chance, eine gleichwertige Schule zu finden. Das Problem sei die schwindende Zahl der Schüler im Bezirk. In den dritten und vierten Klassen sitzen teilweise nur noch 19 Schüler, zu wenig, gerade angesichts der angespannten Haushaltslage, findet das Bezirksamt. Vorsorglich will das Amt jetzt dreizügige Klassen einrichten, um später eventuell diese drei Klassen auf zwei zusammenzuschrumpfen. Warum allerdings ausgerechnet diese drei Schulen geschlossen werden sollen – die Nichteinrichtung erster Klassen ist gewöhnlich der erste Schritt zur Schließung einer Schule – kann Wolff nicht erklären. Mindestens 52 Anmeldungen sind nötig, um eine zweizügige erste Klasse einzurichten. Für die Luisenstadt-Grundschule liegen laut Amt 45 Anmeldungen vor, für die Richard-Schröter-Grundschule sind es 44 und für die Mosaik-Grundschule 39 Anmeldungen. Dabei sei zu bedenken, dass angesichts der Schließungsgerüchte einige Eltern ihre Kinder gleich woanders anmelden, so Wolff. Normalerweise wären dort genügend Schüler angemeldet worden. Für die Kastanienbaum-Grundschule dagegen, an die die Kinder der Mosaik-Grundschule verlegt werden sollen, liegen nur 36 Anmeldungen vor, für die benachbarte deutsch-portugiesische Europa-Grundschule sogar nur drei.

Wolff sieht in der Entscheidung des bezirksamtes eine Kurzschluss-Handlung. Denn ein Schulentwicklungsplan für den Bezirk, der Grundlage einer vernünftigen Entscheidung ist, liegt noch nicht vor. Diesen werden die Bezirksverordneten erst im Dezember beschließen. Wolffs Vorschlag deshalb: die ersten Klassen wie gewohnt einrichten und die Debatte aufs nächste Jahr verschieben. Auch die CDU unterstützt diesen Vorschlag. Eine Mehrheit haben die beiden Parteien in der Bezirksverordnetenversammlung jedoch nicht. Wolff ist pessimistisch. Die Grünen seien für den Erhalt der Luisenstadt-Grundschule, die PDS wolle die Schließung der Mosaik-Grundschule verhindern. Für alle drei Schulen werden sich die beiden Parteien angesichts des Lehrermangels im Bezirk nicht einsetzen, glaubt er. Und die SPD stelle sich hinter ihre Stadträtin. „Offenbar hat man in Mitte nichts aus der Pisa-Studie gelernt“, vermutet Petra Khaled.akl

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