Berlin : "In Neukölln gibt es keine Gangs"

Suzan Gülfirat

Ist das Leben in Neukölln wirklich so brutal, wie es im Film „Knallhart“ dargestellt wird? Die meisten deutschen Filmkritiker sind sich einig, dass die Geschichte von Regisseur Detlev Buck die Realität im Bezirk Neukölln wiedergibt. Ein 15-jähriger Junge zieht aus dem noblen Zehlendorf ins ärmliche Neukölln und erlebt dort die Hölle auf Erden.

Am vergangenen Mittwoch griff auch die Hürriyet das Thema auf. Die Zeitung suchte eine Antwort auf die Frage, wie die jungen Türken im Kiez über den Streifen denken. Die Zeitung befragte unter anderem Jugendliche, die mit ihren schwarzen Klamotten, den Kapuzen und Baseballkappen den Figuren im Film ähnelten. Aus ihrer Perspektive ist alles halb so schlimm. „Es gibt hier keine Jugendgangs wie seinerzeit in Kreuzberg. Nur Cliquen aus Kiezfreunden“, sagte zum Beispiel der 17-jährige Kadir Eser, den seine Freunde Montana nennen. Es gebe eine Panierstaßen- und Hermannstraßen-Clique und einige andere Gruppen. Und auch der 20-jährige „Body“ Murat meinte, dass es in Neukölln nicht täglich eine Prügelei gebe. „Es ist in Mode gekommen, die Türken schlecht zu reden“, zitierte die Hürriyet die Jugendlichen.

In der Reportage kamen auch türkische Filmschaffende zu Wort. Der Kreuzberger Filmemacher Neco Celik meinte, er finde den Film gelungen, aber er reflektiere nicht, warum die Jugendlichen im Kiez sich so verhalten würden. „Die Geschichte ist nur aus der Perspektive des deutschen Jungen erzählt worden“, kritisierte er. Schauspieler Erhan Emre, der im Film „Hamal“ spielt, meinte, „Knallhart“ schüre keine Vorurteile, weil er die gleichen schlimmen Erlebnisse gehabt habe wie der Hauptdarsteller des Films. Die Frage, ob die Neuköllner Jungs den Film überhaupt gesehen haben, blieb unbeantwortet.

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