Berlin : In schlechter Gesellschaft

Leonhardt S. kam als Skinhead von Berlin nach Heidenheim und fand rasch Anschluss. Dann erstach er drei Männer

Werner Schmidt

Für die Berliner Polizei ist Leonhardt S. ein unbeschriebenes Blatt, im baden-württembergischen Heidenheim sitzt er jetzt wegen Totschlags an drei jugendlichen Russland-Deutschen in Untersuchungshaft. Wie berichtet, hatte der aus Hermsdorf stammende 17-Jährige die jungen Männer Freitagnacht vor der Heidenheimer Diskothek „Kulturbühne 2“ erstochen. Vermutlich war er wütend, weil ihm der Türsteher den Zutritt zur Diskothek verweigert hatte.

Leinhardt S. lebt seit einem halben Jahr in der Nähe der ostwürttembergischen Kleinstadt, unweit der Grenze zu Bayern. Bereits in Berlin war er in die rechte Szene geraten. Weil seine Eltern – der Vater ist selbstständiger Architekt, die Mutter Lehrbeauftragte für Sonderpädagogik an der Humboldt-Universität – mit ihm nicht mehr fertig wurden, hatten sie ihn zu seinem Onkel geschickt. Sie hofften, dass er dort einen Weg aus der rechten Szene finden würde. Doch offenbar hatte sich ihr Sohn schnell wieder rechten Skins angeschlossen.

Bereits im Oktober gab es eine Prügelei zwischen Skins und Punks vor der Diskothek, bei der Leonhardt S. auf Seiten der Skins mitprügelte und einem Punk eine Flasche auf dem Schädel zerschlug. Deswegen erhielt er in der „Kulturbühne“ Hausverbot. Außerdem ermittelte die Heidenheimer Kripo gegen ihn wegen Körperverletzung. Zudem sei eine Sachbeschädigung aktenkundig, sagte ein Polizeisprecher. Der Jugendliche gilt als Messernarr. Am liebsten sammelte er Butterfly-Messer, die nach dem Waffengesetz verboten sind.

Am Freitag gegen 23 Uhr war Leonhardt S. mit seiner Freundin zur Diskothek gekommen. Als der Türsteher ihn abwies, kam es zu einer Rangelei. Die Polizei wurde gerufen, die Beamten nahmen die Personalien des Jugendlichen auf und erteilten ihm einen Platzverweis.

Leonhardt S. verschwand, kehrte aber gegen 23.30 Uhr mit Freundin und einem Bekannten zurück. Was er in der Zwischenzeit gemacht hat, ist noch weitgehend unklar, denn Leonhardt S. verweigerte bisher die Aussage.

Vor der Diskothek stießen Leonhardt S. und seine Begleiter auf eine Gruppe von acht bis zehn Russland-Deutschen, sagte der Sprecher der Heidenheimer Polizei. Die erkannten Leonhardt S. und riefen Parolen wie „Nazis raus“. Da zog der Jugendliche plötzlich das Messer und stieß es drei 15, 16 und 17 Jahre alten Jugendlichen in die Brust. Zwei seiner Opfer waren auf der Stelle tot, der dritte starb wenig später im Krankenhaus.

Leonhardt S. flüchtete nach der Bluttat. Am Sonnabendmittag stellte er sich der Polizei. Zuvor hatte er seinen Eltern die Tat am Telefon gestanden, diese überredeten ihn offenbar, zur Polizei zu gehen. Die mutmaßliche Tatwaffe brachte er gleich mit.

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