Berlin : In Schönefeld werden die Nächte kürzer

BBI-Betreiber wollen „Randzeiten“ des Nachtflugverbots intensiv nutzen. Ausbau wird 100 Millionen teurer

Urlich Zawatka-Gerlach

Der Großflughafen in Schönefeld (BBI) wird durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts möglicherweise bis zu 100 Millionen Euro teurer. Etwa 50 Millionen Euro könnte der Lärmschutz kosten. Die restliche Summe muss für zusätzliche Entschädigungen an Bewohner in der Nachbarschaft des Airports gezahlt werden. Das sind erste, grobe Schätzungen von Koalitionsexperten.

Ob die Zahlen stimmen, kann man erst beurteilen, wenn in einigen Wochen die Urteilsbegründung aus Leipzig vorliegt. Dann kann der BBI-Aufsichtsrat das im Dezember 2004 beschlossene Finanzierungskonzept überarbeiten. Trotz des Flugverbots zwischen Mitternacht und 5 Uhr sind die Flughafengesellschaft und der Senat sicher, dass die Finanzierung des Airports und dessen Wirtschaftlichkeit nicht gefährdet sind. Allerdings unter der Voraussetzung, dass die Randzeiten (22 bis 24 Uhr, 5 bis 6 Uhr) intensiv genutzt werden. „Das ist ein zentrales Anliegen, das ist europäischer Standard, wir stehen ganz auf der Seite der Flugunternehmen“, sagte BBI-Sprecher Ralf Kunkel.

In Berlin schwebten 2005 jede Nacht zwischen 22 und 6 Uhr durchschnittlich 51 Flugzeuge ein – trotz Nachtflugverbots gibt es Ausnahmegenehmigungen. Wenn der Großflughafen in Schönefeld ausgebaut ist, wird mit 95 Nachtflügen gerechnet – fast alle in den juristisch sensiblen Randzeiten. Flughafen-Chef Dieter Johannsen-Roth kündigte an, dass die BBI-Betreiber in Zusammenarbeit mit ihren Airline-Kunden „den klaren Bedarfsnachweis“ für diese kommerziell wichtigen Zeiten führen wollen. Angesichts des großen Wettbewerbs in der Luftverkehrsbranche sei das die „Hauptaufgabe“.

Dagegen bereitet der Frachtverkehr den BBI-Betreibern keine Kopfschmerzen. Momentan werden auf den Berliner Flughäfen 40 000 Tonnen Fracht pro Jahr abgefertigt. Im Verhältnis zum Umsatz, den der Passagierverkehr bringt, ist das nur ein Zusatzgeschäft. Der Ausbau auf 600 000 Tonnen wäre theoretisch möglich, aber nur im 24-Stundenbetrieb. Den lässt das Gericht nicht zu. „Das ist schade, aber in die Wirtschaftlichkeitsberechnung für den Großflughafen ist das große Frachtgeschäft gar nicht erst eingeflossen“, sagte Kunkel.

Das Nachtflugverbot für Schönefeld löste Freude in Drewitz bei Cottbus aus. „Als wir vom Nachtflugverbot für den geplanten Großflughafen hörten, haben wir gejubelt“, sagt Dieter Friese (SPD), der Landrat des Brandenburger Spree-Neiße-Kreises. Denn der ehemalige NVA-Flugplatz Drewitz soll von Investoren aus Erie im US-Bundesstaat Pennsylvania zu einem internationalen Frachtflughafen ausgebaut werden. „Wir haben eine Genehmigung für einen 24-Stunden-Betrieb“, sagt Friese.

Ein Risiko für den BBI bleiben die Start- und Landegebühren als wichtige Einnahmequelle der Flughafengesellschaft. Nur mit verlässlichen Prognosen der Fluggastzahlen und einer Gebührenordnung, die die Airlines nicht überfordert, lässt es sich verringern. Die BBI-Betreiber gehen von 22,1 Millionen Passagieren 2011 und von 30 Millionen Passagieren 2030 aus. Die Hoffnungen ruhen auf den „Billigfliegern“ und dem künftigen Intercontinentalverkehr. Am Fundament der BBI-Finanzierung ändert sich mit dem Urteil nichts. Die Investitionskosten könnten sich auf 2,1 Milliarden Euro erhöhen. Davon zahlen der Bund, Berlin und Brandenburg 430 Millionen Euro (plus zusätzliche Lärmschutzkosten). Der Rest wird kreditfinanziert; Zinsen und Bankgebühren sind noch auszuhandeln. Die Verkehrsanbindung und der Bahnhof kosten 570 Millionen Euro. Privatinvestoren sollen weitere 600 Millionen Euro in ein Hotel, Bürogebäude, Parkhäuser investieren. Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, dass der Flughafen vier Milliarden Euro teuer wird, können die BBI-Betreiber nicht verstehen.

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