Berlin : In Schulen wird regelmäßig geraucht – schon mit elf Jahren

Ingo Bach/Judith Jenner

Rund eine Million Berliner rauchen. Und: Sie fangen immer jünger damit an. Während die heute über 75-jährigen Männer mit durchschnittlich 19,5 Jahren das erste Mal zur Zigarette griffen – und die Frauen dieser Altersstufe gar erst mit über 23 Jahren –, begannen die heute 24-jährigen Raucher mit durchschnittlich 16 Jahren. Die Jungs entdeckten die Zigarette geringfügig später als die Mädchen.

Laut Gesundheitsbericht, den die Senatsgesundheitsverwaltung im vergangenen Jahr vorlegte, rauchen von den über 65-Jährigen in der Stadt 14 Prozent, das sind rund 76 000 Menschen. Bei den 15- bis 40-Jährigen dagegen sind es 41 Prozent, was 997 000 Rauchern entspricht. Männer rauchen noch immer häufiger als Frauen, auch wenn hier der Abstand zwischen den Geschlechtern abnimmt.

Neuerdings aber gebe es Grund zum Optimismus. Bundesweit sank die Zahl der 12- bis 17-jährigen Raucher im Jahr 2005 auf 20 Prozent, teilte das Bundesgesundheitsministerium am gestrigen Montag mit. Vier Jahre zuvor seien das noch 28 Prozent gewesen. Vor allem die höhere Tabasteuer halte die Jugendlichen vom Griff zur Zigarettenschachtel ab.

Und das könnte sich auch langfristig auf die Zahl der Raucher auswirken. Denn das Einstiegsalter hat offenbar großen Einfluss auf die Nikotinabhängigkeit. Wer mit 20 noch nicht raucht, habe eine große Chance, ein Leben lang ohne Zigarette auszukommen, heißt es im Berliner Gesundheitsbericht. Die Forderung der Autoren: „Rauchen in der Öffentlichkeit und der Verkauf von Tabakwaren an Jugendliche muss sanktioniert werden.“

Auch wenn auf dem Pausenhof die Zigarette tabu sein sollte, raucht etwa ein Viertel der Berliner Schüler zwischen 11 und 16 Jahren regelmäßig – mindestens einmal in der Woche, viele sogar täglich. Zu diesem Ergebnis kommen unabhängig voneinander zwei euopaweite Studien.

Gut die Hälfte hat schon einmal an einer Zigarette gezogen. Die erste rauchen Berliner Kinder durchschnittlich mit knapp zwölf Jahren. Insgesamt qualmen etwas mehr Mädchen, wobei Jungen stärkere Raucher sind. Offenbar hängen auch der Bildungsstand und der Tabakkonsum zusammen. So rauchen laut einer europaweiten Befragung in Deutschland über 51 Prozent der Hauptschüler, aber nur knapp 22 Prozent der Gymnasiasten. Pubertierende Jugendliche neigen dazu, mit Hilfe der Zigarette lässig, souverän und überlegen wirken zu wollen. Für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist Rauchen die Einstiegsdroge Nummer eins.

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